Hallo zusammen!

Herzlich willkommen auf meinem Blog, den ich anlässlich meines mittlerweile vergangenen Auslandssemesters an der University of the Sunshine Coast, Queensland, Australien zwischen Juli 2010 und Februar 2011 angelegt hatte. Darin habe ich euch hoffentlich nicht zu ausführlich von meinen Erlebnissen und Eindrücken vom anderen Ende der Welt berichtet und auch die ein oder anderen Fotos hochgeladen. Über Nachrichten und Kommentare von euch würde ich mich natürlich sehr freuen und wünsche euch hiermit viel Spaß beim Lesen und Stöbern in diesem Blog!

Roman

Dienstag, 25. Januar 2011

The Great Ocean Road...

...hätte ich fast verpasst, wenn ich nicht doch noch zufällig aufgewacht wäre. Um 6:45 Uhr sollte ich nämlich am Hostel abgeholt werden, auf 5:45 Uhr hatte ich meinen Wecker gestellt und um 6:22 Uhr habe ich mit Entsetzen auf mein Handy geschaut, aber zum Glück habe ich doch noch alles in 23 Minuten geschafft. Der Bus wurde von dem sehr lustigen Australier Steve gelenkt, dessen Lieblingsaussagen „brilliant“, „you did a great piece of work“ und „God bless you/him/her“ waren...zum Glück haben wir daraus kein Trinkspiel gemacht ;-) Zunächst wurden wie üblich die Hostels in Adelaide abgeklappert, bevor der mit 21 Leuten vollbesetzte Bus seine Reise nach Melbourne antreten konnte. Wir hatten sogar Prominenz an Bord, denn die Miss Schweiz von 2008  , Whitney Toyloy, war mit einer Freundin dabei...Glamourfaktor hat dies unserer Reise jedoch nicht beschert :-) Zu Beginn ging es durch die hübsche Landschaft der Adelaide Hills, aber recht früh bin ich schon wieder eingeschlafen, da es dann nach so langer Zeit in Australien doch nicht mehr so spektakulär war. Irgendwann mussten wir mit der Fähre über den Murray River, den längsten Fluss Australiens, übersetzen, später kamen wir noch an einer Strandautobahn und am Big Lobster (der sich nahtlos in die Liste mit Big Pineapple, Big Mango, Big Bundaberg Bottle einreihte) vorbei und dann machten wir einen kurzen Stopp, während dem Steve Zutaten für Wraps und Sandwiches einkaufte, welche wir kurz danach in einem am Strand gelegenen Park zu uns nahmen. Unser nächstes größeres Ziel war der Blue Lake, ein 70m tiefer See im Krater eines erloschenen Vulkans, dessen markante Blaufärbung durch die vorhandenen Mineralien hervorgerufen wird, und dann erreichten wir auch schon unser Hostel für die erste Nacht in Mount Gambier, das sehr cool war, da es ein umfunktioniertes ehemaliges Gefängnis war, das aber immer noch von hohen Mauern mit Stacheldraht umgeben und auch im Inneren noch deutlich als Gefängnis zu erkennen war. Zum Dinner gab es ein umfangreiches BBQ und natürlich wurde auch im Gefängnis nicht auf die Nightsession aus Melbourne verzichtet ;-)
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen mussten wir erst einmal unseren Bus anschieben, da er sonst nicht angesprungen wäre, und nach einigen Kilometern kamen wir endlich an die wunderbare schraffe Küste von South Australia, wo wir hielten und unterhalb der Klippen auch Seelöwen aus dem Wasser springen sehen konnten. Im Hafen, der direkt neben dem Park lag, in dem wir unsere Mittagspause machten, schwamm sogar ein großer Stachelrochen herum, den ich in dieser Umgebung niemals erwartet hatte. Nach der Pause verbrachten wir wieder einige Stunden im Bus, die ich nutzte, um viel in „Down Under“ zu lesen, einem Buch, das Gerrit mir vor meinem Abflug geschenkt hatte und das einen humorvollen Reisebericht eines amerikanischen Schriftstellers von seiner Zeit in Australien beinhaltet. Ich bin froh, dass ich es erst jetzt lese, da ich nun schon so viele Sachen erlebt habe, von denen der Autor berichtet und es mich so auch wieder an die vielen Flecken erinnert, an denen ich schon gewesen bin...in jedem Fall ist es sehr empfehlenswert und bestimmt auch auf Deutsch erhältlich. Dann erreichten wir irgendwann auch endlich die eigentlich Great Ocean Road, die nach dem Ersten Weltkrieg von der Royal Australian Army angelegt worden war und nun ein absolutes Touristenhighlight ist, weswegen auch sehr viele Schilder daran erinnern: „We drive left in Australia“ :-) Unser erstes Highlight an der Great Ocean Road war die London Bridge, die im Prinzip keine Brücke mehr ist, da ein Teil davon vor einigen Jahren eingestürzt ist, wozu uns Steve natürlich wieder eine lustige – aber wahre Geschichte – zu erzählen hatte, die ich kurz zusammenfassen möchte: Mann sagt seiner Frau, dass er auf Geschäftsreise nach Sydney muss...stattdessen fährt er mit seiner geliebten Sekretärin zur London Bridge und beide laufen auf die andere Seite der Brücke...Brücke stürzt ein...die nächsten Touristen können die Polizei informieren...alle TV-Sender kommen mit Hubschraubern und berichten live...am nächsten Tag ist es in allen Medien zu sehen...“God bless them“ :-) Danach fuhren wir zum unweit entfernten Hostel, checkten ein und machten uns dann wieder auf den Weg zu den weltberühmten 12 Aposteln, um den Sonnenuntergang zu sehen, der allerdings hinter vielen Wolken ohne uns stattfand...trotzdem war es unglaublich schön. Vor einiger Zeit ist auch einer der Apostel eingestürzt, was nur von einem 7-jährigen Mädchen beobachtet wurde, weil die Eltern lieber im Auto warten wollten, da sie sich nicht schon wieder ein paar Felsen im Meer ansehen wollten...sie werden sich im Nachhinein geärgert haben :-) Herr Wawrinka qualifizierte sich danach übrigens noch für das Viertelfinale, was für diesen Bericht noch von Bedeutung sein wird...
Am nächsten Morgen zeigte sich die Great Ocean Road von ihren kühlen und rauen Seite, die tausende Seefahrer in der Vergangenheit schon das Leben und etliche Kapitäne ihre Schiffe gekostet hat. Ein Schiffswrack sollten wir eigentlich von einem Aussichtspunkt sehen, aber dann war es doch nicht sichtbar...auch nicht so schlimm, denn wir wollten nur wieder in den warmen und trockenen Bus. Bei gefühlten Minusgraden, ok, sagen wir 18°C, liefen wir noch eine kleine Runde durch einen Regenwald und dann stand schon wieder Mittagspause auf dem Programm – diesmal in Apollo Bay, einer eigentlich nicht erwähnenswerten Kleinstadt am Pazifik. Aber wen treffe ich dort? Fabienne und Alex, die ich seit der ersten Nacht am Flughafen in Brisbane kenne und die ebenfalls an der USC studiert haben – und sie machten zufälligerweise auch Halt in Apollo Bay auf ihrem Weg nach Melbourne :-) Das Wetter besserte sich glücklicherweise stetig und am Nachmittag haben wir noch etliche Koalas in freier Wildbahn in einem Eukalyptuswald am Meer gesehen...schon cool, dass diese putzigen Tiere dort einfach überall in den Bäumen hängen. Danach ging unsere Tour weiter entlang der schönen Küste, wir passierten das Denkmal für die Erbauer der Great Ocean Road und zwei Stunden später  standen wir schon im Herzen von Melbourne, wo ich zusammen mit einer Schweizerin den Bus verlassen habe, um mit der Tram nach St. Kilda (südlich des Albert Parks) zu fahren, wo sich unsere Hostels befanden. Wir sind erst einmal schwarz gefahren und ein nettes Ehepaar hat mir glücklicherweise die richtige Haltestelle gezeigt, von der ich nur noch wenige Meter bis zum Hostel laufen musste. Im Hostel habe ich dann Bina und Fabi wiedergetroffen, die schon am Morgen nach ihrem Flug aus Darwin eingecheckt hatten. Wir mussten uns natürlich erst einmal über  die vergangenen drei Wochen austauschen, dann wurde etwas eingekauft, die geschossenen Fotos auf Fabi's Festplatte gesichert und der Spielplan für den nächsten Tag bei den Australian Open gecheckt...und danach konnte ich kaum schlafen vor Aufregung :-)
Irgendwie hat es dann doch noch funktioniert, zum Frühstück serviert das Hostel jeden Morgen Pancakes und nach der Stärkung machten Fabi und ich uns heute auf den Weg zum Melbourne Olympic Park, in dem auch die Rod Laver Arena und damit die Australian Open ihr Zuhause haben. Für die heutige Daysession hatten wir nämlich schon im Oktober Tickets gebucht und wir hatten richtig spekuliert, denn wir sollten drei richtige Top-Spiele zu sehen bekommen...zumindest auf dem Papier. Als erstes spielte die letzte im Turnier verbliebene Deutsche Andrea Petkovic, die jedoch vor Aufregung angeblich nicht schlafen konnte und deswegen sang und klanglos gegen die Chinesin Li Na eingegangen ist. Im Anschluss gab es ein Schweizer Derby zwischen Roger Federer und Stanislaw Wawrinka, das jedoch zu sehr vom Vorjahressieger dominiert wurde und dementsprechend etwas unter mangelnder Spannung litt. Trotzdem kann ich hinter Federer auf der Liste der Sportler, die ich einmal live gesehen haben möchte, einen Haken machen...Tiger Woods, Dirk Nowitzki und co. dürften etwas schwieriger werden ;-) Nach diesem eigentlichen Topspiel leerte sich die Arena ein wenig, obwohl danach die bildschöne Weltranglistenerste Caroline Wozniacki gegen das Biest aus Italien, Herr oder Frau Schiavone, spielte und die beiden das spannendste von drei Spielen in dieser Daysession boten, das die Dänin am Ende verdient gewann. Danach machten wir noch einige Fotos und traten den Rückweg zum Hostel an, wo wir uns noch die übliche Cheap Tuesday Pizza bei Domino's gönnten, die aber anscheinend auch nur in Melbourne dienstags nicht billig sonder normal bepreist ist, was wir jedoch erst bei der Abholung erfuhren. Dementsprechend sparten wir uns das Geld danach für die Party, auf die viele Hostelleute gingen, aber morgen ist ja Australia Day und dann sollte einiges in der Stadt los sein. Ich werde euch auf dem Laufenden halten :-)

Und noch das übliche Rechenspiel zum Schluss: In 16 Tagen meiner Zeit sitze ich schon im Flugzeug nach Hause und in 17 Tagen eurer Zeit werde ich schon in Frankfurt gelandet sein...der Wahnsinn!!!

Bis bald

Euer Roman

Freitag, 21. Januar 2011

Adelaide...

...bot doch mehr Attraktionen, als ich zunächst gedacht hatte. Es war wirklich eine tolle und entspannte Woche, woran auch das prima Klima hier unten in South Australia ihren Anteil hatte.
Am Samstag bin ich dann erst einmal durch die Stadt spaziert, um mich grob orientieren zu können. Beim Schützenfest standen so viele Menschen an, was neben den horrenden Preisen ein weiterer Grund war, nicht hinzugehen, aber dafür sah ich den ersten Flaschensammler in Australien. So was ist man ja sonst nur von großen Veranstaltungen in Deutschland gewohnt, aber South Australia ist wohl der grünste Staat Australiens, da es hier auch Pfand auf Dosen und Flaschen gibt und in den Supermärkten bekommt man nicht alles in kostenlose Plastiktüten gepackt, sondern man muss umweltfreundliche Tüten kostenpflichtig erwerben...das musste jetzt mal erzählt werden :-) Ansonsten lief ich einfach etwas durch die Stadt, wurde von einem Spürhund der Polizei beschnüffelt, und wieder zurück zum Hostel, wo es nach langer Zeit nochmal einen gesunden Salat mit Kängurufleisch oben drauf gab...lecker!!!
Der Sonntagmorgen begann mit der frohen Botschaft über unseren wichtigen Sieg gegen Friesdorf bevor ich im Reisebüro meinen Trip entlang der Great Ocean Road nach Melbourne gebucht habe. Danach bin ich mit dem Bus eine Runde durch die Stadt gefahren und danach etwas durch die Fußgängerzone zur Rundle Street Mall geschlendert, wo ich zufälligerweise Ida aus Dänemark, die ich an der USC kennengelernt hatte, getroffen habe, zumal ich sie am Vortag schon einmal zu sehen geglaubt hatte. Anschließend bin ich wieder zurück zum Hostel und habe im Park nebenan für ein paar Minuten ein paar Aufführungen irgendeines indischen Guru Festivals zugesehen, was aber alles etwas seltsam war. Später am Nachmittag bin ich dann mit einem anderen Deutschen aus dem Hostel zurück zum Rymill Park marschiert, wo die Teams für die am Montag gestartete Tour Down Under vorgestellt wurden, bei der auch einige bekannte Namen vertreten sind, insbesondere natürlich Lance Armstrong bei dem letzten Radrennen seiner Karriere außerhalb der USA. Nach der Präsentation wurde auch noch ein Benefizrennen mit 30 Runden um den Park ausgetragen, das wirklich viele Zuschauer an die Strecke lockte.
Am Montag bin ich am späten Vormittag mit dem Ziel Museum of South Australia über die North Terrace gelaufen, wo ich zufälligerweise David aus der Schweiz, der im selben Hostel wie wir in Sydney gewohnt hatte, getroffen habe...so klein ist die Welt sagt man da wohl. Nachdem wir uns über unsere Erlebnisse seit Anfang Januar ausgetauscht hatten, bin ich dann doch noch ins Museum gekommen, das mich wegen der vielen ausgestopften Tiere sehr ans Museum König in Bonn erinnerte. Das war es dann auch schon wieder mit Kultur für diesen Tag, denn schließlich haben in Melbourne die Australian Open begonnen, sodass ich mir im Hostel einige Spiele angeschaut habe, bevor ich am Abend zum German Club gegangen bin, da dort montags immer Tischtennistraining im „Friedrich Jahn Gymnasium“ stattfindet. Leider konnte man mir keinen halbwegs vernünftigen Schläger stellen, weswegen das Training nicht wirklich sinnvoll war, aber wenigstens waren die Leute ganz nett und im Anschluss gab's nach über sechs Monaten nochmal ein Erdinger Weizen vom Fass...für 10AUD. Da kann man sich nur wieder auf Deutschland freuen :-)
Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Radtour vorgenommen, da man ihr in Adelaide Fahrräder für umsonst in acht verschiedenen Läden ausleihen kann. Ich habe mich für ein sportliches Mountainbike entschieden, das mich bei der ersten Bremsung fast über den Lenker geworfen hätte, da die Bremshebel vertauscht im Vergleich zu meinem Fahrrad in Deutschland waren und die Bremsen an sich auch besser funktionierten :-) Nach dem ersten Schreckmoment bin ich dann einfach drauf los gefahren, war am alten Gefängnis von Adelaide, bin entlang des War Memorial Drives um North Adelaide gefahren (ich habe allerdings kein War Memorial auf dem Weg gesehen...) bis ich am Adelaide Oval, dem Cricketstadion, ankam. Dort habe ich mir eine Ausstellung über den besten Cricketspieler aller Zeiten, Sir Don Bradman, angeguckt und nachher im Stadion noch das Training einer Mannschaft, wobei ich sehr interessant fand, wie und was für Cricket trainiert wird. Anschließend bin ich am Zoo und durch den botanischen Garten geradelt bis ich schließlich die Rennstrecke von Adelaide erreichte, die man sogar teilweise befahren konnte. Anscheinend habe ich mir dort etwas ins Hinterrad gefahren, da ich dort auf einmal feststellen musste, dass dieses total platt war. Um die Felge nicht vollständig zu zerstören, habe ich dann netterweise geschoben, obwohl der Fahrradladen am völlig anderen Ende der Stadt lag...aber wer sein Fahrrad liebt, der schiebt nun mal. Gegen 15 Uhr war ich dann völlig verschwitzt wieder im Hostel und dort liefen natürlich wieder die Australian Open im Fernsehen...und hier kann man sich sogar mit der Fernbedienung aussuchen, welches Spiel auf welchem Platz man sich denn gerade angucken möchte ;-)
Für Mittwoch hatte ich mir eine Weintour ins Barossa Valley gebucht, dem ältesten Weinanbaugebiet Australiens, das etwa eine Stunde mit dem Bus nördlich von Adelaide gelegen ist. Um 8 Uhr wurde ich mit etwas Verspätung abgeholt, danach wurden noch etliche andere Hostels abgeklappert, und als unser Bus endlich voll war, konnte der Ausflug mit einer bunt gemischten Truppe beginnen. Zunächst wurde noch an einem großen Schaukelpferd (warum auch immer) und einem Staudamm gehalten, an dessen Staumauer man sich problemlos über die gesamte Breite hinweg unterhalten kann, weswegen sie auch die Whispering Wall genannt wird. Im Anschluss ging es dann zum ersten Weingut, Jabob's Creek, das vielleicht jetzt durch die Australian Open eher bekannt sein dürfte, da es dort Hauptsponsor ist. Uns wurde etwas über die Geschichte des Weinguts (mit deutschen Wurzeln) erzählt und dann durften wir die ersten fünf Weine des Tages probieren. Alles ging etwas hektisch zu, aber unser Gruppenprofil versprach auch nicht unbedingt nachher den Laden leer zu kaufen. Es folgten noch drei weitere Weingüter mit Weinproben, jeweils mit kleinen Führungen verbunden, ein umfangreiches BBQ als Lunch und alles in allem hat sich die Tour auf jeden Fall gelohnt. Insbesondere die Weine 5, 17, 18 und 19 von 21 probierten Weinen kann ich sehr empfehlen, auch wenn ich nicht mehr weiß, wie sie geheißen haben :-) Aber Spaß gemacht hat es auf jeden Fall, das Wetter war perfekt und gegen 17 Uhr wurde ich wieder vor meinem Hostel abgeladen, womit ein weiterer Tag im sonst eher unspektakulären Adelaide hinter sich gebracht worden war. Es folgten die übrigen Stunden mit den Australian Open, auch wenn diesmal ein älterer Herr heftigen Widerstand bot, da er Oprah bei ihrer Reise durch Australien zugucken wollte...
Am Donnerstagmorgen habe ich zum ersten Mal seit Heiligabend in Sydney wieder die Laufschuhe geschnürt und bin durch die Parkanlagen zwischen North Adelaide und dem CBD (Central Business District) gejoggt. Eine wunderbare Strecke und die Sehne im linken Fuß hat auch gehalten...das wollte ich primär eigentlich auch nur austesten. Später am Vormittag war ich dann noch etwas in der Stadt einkaufen, bevor ich mich auf den etwa 35 minütigen Fußweg zur Haigh's Schokoladenfabrik machte. Dort hatte ich mir einen Platz in einer kostenlosen Führung reserviert, die aber letztendlich nur 20 Minuten gedauert hat. Interessant war aber, dass der Gründer dieser Fabrik das Handwerk auf persönliche Anfrage bei Lindt in der Schweiz vor fast 100 Jahren lernen durfte...und im Anschluss gab es noch reichlich Schokolade und Schokomandeln zur Verkostung und deswegen war ich eigentlich auch nur gekommen :-) Danach ging es wieder den weiten Weg zurück in die Stadt,  wo ich mir den vermutlich letzten Haarschnitt in Australien verpassen ließ, den der Frisör mit „Now you look like a Bastian Schweinsteiger“ kommentierte :-) Und dann kam Tennis...
Auch am Freitag strahlte die Sonne mal wieder vom Himmel, jedoch war es von den Temperaturen mit 28°C wesentlich angenehmer als noch am Vortag mit um die 36°C. Deswegen bin ich mit Toby zum Strand nach Glenelg gefahren, das etwa 25 Minuten mit der Tram von Adelaide entfernt liegt. Nach ein paar Stunden Brutzelei führte der Weg uns wieder zurück zum Hostel, wo ich nun gerade sitze und die letzten Zeilen verfasse. Gleich werde ich mir noch die letzten Nudeln in den Topf schmeißen und hoffentlich die Macht über die Fernbedienung erringen, sodass bis heute Nacht von Court zu Court geschaltet werden kann ;-) Und morgen muss ich Adelaide mit etwas Wehmut verlassen, was ich bei meiner Ankunft hier nie gedacht hätte. Dafür steht auch schon das nächste Highlight auf dem Programm: bis Montag werde ich drei Tage entlang der Great Ocean Road nach Melbourne fahren und dann hoffentlich im Sonnenschein die 12 Apostel zu Gesicht bekommen. Das Wetter wird dort unten in Melbourne nicht mehr ganz so rekordverdächtig sein, eigentlich ungewöhnlich für diese Jahreszeit, aber ein Regenschirm steckt ja auch noch ganz unten im Rucksack drin. Und die Rod Laver Arena am Dienstag kann schließlich auch ihr Dach schließen, sodass Fabi und ich da hoffentlich eine ordentliche Show geliefert bekommen...und wir werden versuchen, uns bemerkbar zu machen, also schaltet ein :-)
Ansonsten gibt es mich in nur noch drei Wochen auch schon wieder live und in Farbe in Deutschland!

Bis dahin sonnige Grüße aus Adelaide

Roman

Samstag, 15. Januar 2011

Perth...

...und Umgebung habe ich in der vergangenen Woche zu sehen bekommen. Am Montag habe ich dafür am Abend nach der Sightseeingtour noch den Kings Park besucht, um mir von dort Perth im Sonnenuntergang anzuschauen. Es war einfach wunderschön und ich hatte genug Zeit, um noch ein Buch zu Ende zu lesen und darüber nachzudenken, wie viel Schönes ich im vergangenen halben Jahr erlebt und wie gut ich es eigentlich habe, dass ich gerade Anfang Januar im Sommer auf der anderen Seite der Welt in einer Stadt am indischen Ozean Urlaub machen kann.
Am Dienstag haben Maren und ich dann morgens unseren Mietwagen abgeholt, unser Gepäck im Hostel abgeholt, noch ein wenig Proviant eingekauft und dann begann unsere Fahrt nach Süden. Zunächst ging es entlang des Freeways Nummer 2 nach Rockingham, einem kleinen Ort, in dessen Sichtweite Penguin Island liegt. Diese ist entweder mit der Fähre erreichbar oder zu Fuß durchs Meer, denn eine etwa 800 Meter lange Sandbank verbindet das Festland quasi mit dieser kleinen Insel. Der Weg dorthin war sehr außergewöhnlich und als wir auf der anderen Seite angekommen waren, erzählte man uns, dass vor zwei Wochen zwei Leute auf dem Weg ertrunken seien...allerdings hätten sie sich auch etwas dumm verhalten. Penguin Island hielt dann das, was es versprochen hatte, denn wir konnten einige kleine Pinguine aus nächster Nähe sehen und marschierten einmal um die Insel, was allerdings auch nicht wirklich viel Zeit in Anspruch nahm. Anschließend ging es über die Sandbank zurück zum Festland, wo wir uns nach einer kurzen Pause wieder ins Auto setzten und den Weg nach Margaret River, einem Weinanbaugebiet, antraten. Wir fuhren jedoch einen Umweg, da wir noch einen Zwischenstopp am Cape Naturaliste machen wollten, wo wir auch gerade rechtzeitig zum malerischen Sonnenuntergang eintrafen. Von dort hatten wir eine weitere Stunde Fahrt vor uns und als wir im Ort ankamen, zogen wir wie Maria und Josef um die Hostels, die uns aber alle keine Unterkunft mehr bieten konnten. Letztendlich übernachteten wir nicht ganz weihnachtsgeschichtenmäßig in unserem Mietwagen auf dem Krankenhausparkplatz – macht man schließlich auch nicht alle Tage :-)
Gut schlafen konnte ich nicht wirklich, aber was soll's...wir waren ja da, um etwas von der Umgebung zu sehen. Deswegen fuhren wir nach dem Frühstück wieder etwas Richtung Norden, machten einen Stopp an einem Weingut und einen weiteren in Busselton, das den mit fast zwei Kilometern längsten Pier der südlichen Hemisphäre beheimatet. Dieser war allerdings wegen Restaurierungsarbeiten gesperrt und so setzten wir kurze Zeit später unsere Reise fort, die uns zunächst wieder nach Margaret River führte, wo wir sowohl eine Schokoladen- als auch eine Käsefabrik besichtigten, in denen wir uns durch die verschiedenen Produkte durchprobieren konnten. Von dort peilten wir als nächstes Augusta an, machten aber noch eine Mittagspause am Strand in der Hamilton Bay. Danach fuhren wir dann durch Augusta weiter Richtung Ozean zum südwestlichsten Punkt der australischen Landmasse, dem sogenannten Cape Leeuwin. Dort wollte man allerdings 5 AUD von uns, nur um vom Parkplatz noch ein paar Meter weiter zum schönen Leuchtturm zu gehen, was wir jedoch ablehnten und stattdessen lieber noch ein paar Fotos vom Lookout schossen. Im Anschluss machten wir uns dann auf den Weg gen Osten nach Pemberton, etwa zwei Fahrtstunden entfernt, wo wir im örtlichen Backpackers noch ein ziemlich gutes Zimmer bekommen haben, in dem ich wenigstens mal ein paar mehr Stunden zur Ruhe kommen konnte.
Für den nächsten Morgen hatten wir uns eine kleine oder eher große Herausforderung ausgesucht. Dafür fuhren wir zum örtlichen National Park, der den mehr oder weniger bekannten Gloucester Tree als Attraktion führt. Dieser Baum der Karri Tree Familie ist 61m hoch und deswegen wurde er früher auch dafür genutzt, Waldbrände in der Umgebung frühzeitig zu erspähen. Dafür muss man aber natürlich erst einmal hinaufkommen und dafür haben die Ranger vor Jahrzehnten Metallstangen in den Stamm getrieben, auf denen man wie auf einer Leiter bis zur Plattform in windiger Höhe hinaufklettern kann. Viele Besucher waren nicht dort, aber wir haben es gewagt und es hat sich auf jeden Fall gelohnt, zumal man natürlich von oben eine super Aussicht hatte. Von dort ging es weiter zum Shannon National Park, in dem es außer hohen Bäumen nichts anderes zu sehen gab, weswegen wir auch schnell weiter ins Valley of the Giants fuhren. Dort machten wir einen Tree Top Walk, auf dem man in etwa 40m Höhe zwischen den Baumwipfeln spaziert...es war - sagen wir mal - ganz nett, aber den Eintritt nicht wert. Als nächstes steuerten wir den Greens Pool, einen Strandabschnitt mit türkisblauem Wasser, an, um dort Mittagspause zu machen und für die anstehende Rückfahrt auszuruhen, die uns bevorstand. Dafür tankten wir noch im australischen Denmark und dann ging es die 400km zurück nach Perth bzw. Fremantle, wo ich mein Hostel für die Nacht hatte. Dort musste ich mich dann von Maren verabschieden, mit der ich eine tolle Woche an der Westküste hatte, da sie wieder zu ihrem Stammhostel nach Perth weiterfuhr.
Nach einer unruhigen Nacht, da mein Zimmer direkt an den Partyhinterhof grenzte, bin ich früh aufgestanden und habe einen Schnelldurchlauf durch Fremantle, einer kleinen alten Hafenstadt, die dieses Jahr auch Austragungsort der Segel-Weltmeisterschaften sein wird, gemacht, anschließend gepackt, ausgecheckt und zum Bahnhof marschiert, von wo ich die Reise zum Flughafen antrat. In der Bahn kam ich mit zwei Holländern ins Gespräch, die auch zum Flughafen mussten, der fast 90 Minuten von Fremantle entfernt liegt, aber ich war ja zum Glück rechtzeitig losgefahren. Am Flughafen klappte dann alles reibungslos, der Flug war auch ok, aber ab dem Landeanflug taten meine Ohren so weh, da ich seit dem Indian Pacific auch ziemlich erkältet bin. Der Weg zum Hostel in Adelaide war auch relativ unkompliziert und nach einer guten Mütze Schlaf kann ich wenigstens auch wieder etwas mehr hören als gestern Abend noch.
Gleich werde ich vielleicht noch auf das Schützenfest gehen, da es rund um Adelaide eine ziemlich große deutsche Gemeinde gibt, morgen findet das Auftaktrennen zur Tour Down Under statt, wo ich hoffe, noch ein Foto mit Lance Armstrong erhaschen zu können, und am Montag werde ich bei der deutschen Gemeinde mal zum Tischtennistraining gehen :-)

Weniger als vier Wochen noch...ich freue mich schon!

Roman

Montag, 10. Januar 2011

The Indian Pacific...

...war eine der besten Ideen, die ich für diese Reise hatte :-) Vor der Abfahrt am Mittwoch musste ich nur noch mein Gepäck bei einem sehr gehetzten und unfreundlichen Mann von der australischen Bahn einchecken, danach habe ich mir noch ein schönes Stunner-Menü (Burger, Pommes, Getränk und Eis für nur 4€ - sollte man bei uns vielleicht auch mal einführen) beim australischen Burger King, der übrigens nur hier aus Patentgründen Hungry Jacks heißt, geholt, mit einer Engländerin unterhalten, die bis Adelaide in der Premiumklasse reisen würde, und dann habe ich mir auch schon meinen Platz in der Holzklasse gesucht. Diese bot zwar schon einiges an Beinfreiheit und ziemlich weit zurücklehnbare Sitze, die aber bei weitem nicht mit einem Bett mithalten können. Pünktlich um 14:55 Uhr verließ ich dann Sydney, diese wunderbare Stadt. Den Platz neben mir besetzte ein sympathischer Schweizer, mit dem ich mich aber auf Englisch unterhalten habe, da er aus dem französischen Teil der Schweiz kommt. Direkt zu Beginn der Fahrt wurde angesagt, dass man sich für 25 AUD auch ein Ticket für die Lounge kaufen könnte, was ich auch gemacht habe, da darin Kaffee und Obst, gemütliche Ohrensessel und Steckdosen beinhaltet waren, sodass ich auch meinen Laptop mit Musik und Filmen benutzen konnte. Bis zu den Randbezirken Sydney's – inklusive der Blue Mountains – kroch der Zug noch etwas dahin, dazu begann es zu regnen, aber ich hatte einen wunderbaren Platz und im Laufe des Tages lernten wir noch Orlagh aus Irland und Lisa aus Holland kennen, mit denen wir abends etliche europäische Kartenspiele ausprobiert haben. Nachts versuchte ich dann in den Schlafsitzen zur Ruhe zu kommen, aber die erste Nacht schlief ich vielleicht gerade einmal zwei Stunden, weil es doch nicht gerade die angenehmste Schlafposition war.

Dafür bekam ich aber wenigstens den wunderschönen Sonnenaufgang über der langsam ins Outback übergehenden Landschaft mit und die vielen Emus und Kängurus, die entlang der Bahnstrecke liefen. Am Morgen stoppten wir dann noch in Broken Hill, einer Kleinstadt, die wegen der örtlichen Silber- und Zinkvorkommen entstanden ist, aber viel gab es dort auch nicht zu sehen. So verstrich die Zeit, die trockene Landschaft rauschte vorbei und gegen 15:30 Uhr erreichten wir auch schon Adelaide, wo wir einen zweistündigen Aufenthalt hatten. Diesen nutzte ich, um bei Peter Pan's kurz ins Internet zu gehen und bei Coles einzkaufen, da das Essen im Zug übertrieben teuer war. Gegen 19 Uhr ging die Fahrt gen Westen dann im gemütlichen Tempo weiter, eine 5-Minuten-Terrine diente mal wieder als Abendessen und einen Film und einige Gesellschaftsspiele später suchte ich wieder meinen super angenehmen Day-Nighter-Seat auf.
Diese Nacht konnte ich zum Glück mal etwas besser schlafen und bin nur einmal zwischendurch aufgewacht, bevor ich um 6:30 Uhr aufgestanden bin, um dem Andrang an der einen Dusche für 40 Leute etwas aus dem Weg zu gehen. Die Landschaft war immer noch erstaunlich stark mit Bäumen, Büschen und Gräsern bewachsen, obwohl darunter auch deutlich die rote Erde Australiens zu erkennen war. Dies änderte sich allerdings bis zu unserem nächsten Halt in Cook, denn dann war um uns nur noch endlose flache Steppe mit Grasbüscheln. Cook an sich ist eine Geisterstadt mit angeblich noch vier Einwohnern, von denen ich zwei im Souvenirshop, der allerdings auch nicht so viel zu tun haben wird, gesehen habe. Der Stop wurde von allen Zuggästen zum Schießen von Fotos genutzt, wobei ich von einer Mitarbeiterin ständig zurückgerufen wurde, weil ich nicht so nah an die Gleise treten sollte, da ja ein Güterzug vorbeikommen könnte...lächerlich. Naja, bin ich halt noch zum Ende des Zuges gegangen, wo niemand aufgepasst hat :-) Nach etwa einer Stunde in Cook setzten wir dann unseren Weg für 9 Stunden bis zum nächsten Halt in Kalgoorlie fort. Die Landschaft veränderte sich kaum, aber an der Grenze zwischen South Australia und Western Australia begegneten wir einer Kamelherde und wenig später auch einigen Adlern, die das Wappen des Indian Pacific's zieren. Mittags habe ich mich nochmal hingelegt, um die Reise durch die vielen verschiedenen Zeitzonen besser zu überstehen, was aber nichts daran änderte, dass sich die Fahrt einfach endlos dahinzog. Am Abend erreichten wir dann Kalgoorlie, eine Goldgräberstadt, in der im 19. Jahrhundert viele Abenteurer ihr Glück suchten und die heute noch die viertgrößte Goldabbaustätte der Welt beheimatet. Diese besichtigten wir auch im Rahmen einer Stadtführung, allerdings war die Sonne schon untergegangen, sodass man die Ausmaße dieser riesigen Mine nur erahnen konnte. Insgesamt hatten wir etwa drei Stunden Aufenthalt, den wir auch noch für eine Pizza bei Domino's nutzten, die mal etwas Abwechslung in den mageren Speiseplan der letzten Tage brachte ;-) Recht bald nach der Abfahrt aus Kalgoorlie versuchte ich auch wieder zu schlafen, was jedoch nicht so einfach war, da ich mir wahrscheinlich von der Klimaanlage im Zug einen ordentlichen Schnupfen zugezogen habe und das Nasenspray war ärgerlicherweise nur im eingecheckten Gepäck irgendwo im Gepäckwagen des Zuges.
Ein herrlicher Sonnenaufgang weckte mich gegen 5:30 Uhr am letzten Tag der Reise.Dreieinhalb Stunden waren wir noch von Perth entfernt und man merkte schon die ersten Anzeichen der nahenden Zivilisation anhand von Viehzäunen und einzelnen Farmen. Außerdem wurde es wieder etwas grüner draußen, Wälder säumten unsere Route, die letzten Kamele und Kängurus zogen an uns vorbei, der Quarantänemeister kam vorbei, um Western Australia vor Krankheiten zu schützen, und langsam musste ich mich dem Gedanken abfinden, dass sich die unvergessliche Erfahrung Indian Pacific, die ich jedem Australientouristen nur empfehlen kann, dem Ende neigte. Um kurz nach 9 Uhr erreichten wir dann den Bahnhof im Osten von Perth, von dem ich bis zum Hauptbahnhof weitergefahren bin, an dem mich Maren, die ich an der USC kennengelernt hatte, abholte und zu dem Hostel brachte, in dem sie zur Zeit als Nachtwächterin arbeitet. Dieses machte bisher auch einen super Eindruck, sehr viele Deutsche Gäste sind dort, und abends wurde noch ein Fußballspiel gegen ein anderes Hostel im benachbarten Park ausgetragen, das wir mit 5:2 gewannen...fünf Tore Frackenpohl :-) Dieser Sieg wurde später dann noch in zwei Clubs in der Nähe bis tief in die Nacht gefeiert und dementsprechend spät bin ich gestern erst wieder aufgestanden. Draußen hatten wir etwa 35°C, was einen nicht unbedingt dazu animierte, auf Sightseeing Tour zu gehen, was ich deswegen auch nicht gemacht habe. Am Abend sind wir aber noch mit den Leuten aus dem Hostel essen gegangen...und das war es dann für den Sonntag auch schon wieder gewesen.
Heute morgen bin ich mit Maren erst zu Peter Pan und dann zu einer Autovermietung gegangen, weil wir ab morgen bis Donnerstag noch eine kleine Tour durch den Südwesten von Western Australia machen wollen. Anschließend habe ich mir dann auf eigene Faust die Stadt angeguckt und im Moment sitze ich in der State Library of Western Australia, da dort das Internet etwas besser als in unserem Hostel funktioniert, was noch lange nicht heißt, dass es hier gut ist ;-)

Euch einen guten Start in die Woche und bis in nur noch einem Monat!

Roman

Mittwoch, 5. Januar 2011

Canberra...

...oder eher „Känbra“ hatte ich mir als nächstes Reiseziel ausgesucht. Viele hatten mir davon abgeraten, aber ich wollte wenigstens auch die Hauptstadt des Landes gesehen haben, in dem ich schon fast ein halbes Jahr lang wohne. Ich hatte sehr günstige Greyhound Tickets im Internet gebucht und um 9 Uhr am Sonntagmorgen sollte die Busfahrt von der Sydney Central Station beginnen, aber leider hatte der Bus dort schon 45 Minuten Verspätung. Außerdem war der Busfahrer von Beginn an ziemlich seltsam und nervös, schüttelte ständig mit dem Kopf, fuhr erschreckend häufig über die Rüttel-Seitenstreifen und musste bei fast jeder Pause auf die Toilette am Ende des Busses. Genau davor hatte ich meinen Platz, weswegen nicht die beste Luft herrschte, und auch sonst war die knapp viereinhalbstündige Busfahrt nicht gerade angenehm. Wenigstens hatte ich mit Johanna aus Flensburg eine nette Sitznachbarin, die auch im gleichen Hostel wie ich untergebracht war. Dieses war wirklich nicht schlecht und erinnerte vom Ambiente eher an ein Hotel. Zusammen erkundeten wir am Nachmittag noch die Stadt und waren auch im botanischen Garten, in dem es von großen und kleinen Tieren nur so wimmelte: Leguane, Papageien, Schmetterlinge, riesige Ameisen (von denen mich fünf gebissen und dutzende weitere es versucht haben) und sogar zwei Kängurus haben wir zu Gesicht bekommen. Danach ging es am See vorbei, von dem man auch schon den riesigen Fahnenmast über dem Parlamentsgebäude sehen konnte, aber weitere architektonische Highlights gab es bis dahin nicht zu bestaunen. In meinem Hostelzimmer hatte ich diesmal ziemlich internationale Zimmerkollegen aus Schottland, Indien, den USA und Tauberbischofsheim, und so ergaben sich noch einige interessante Gespräche.
Am Montag versuchte ich den Großteil des Kulturprogrammes in Canberra abzuklappern, wofür ich zunächst das War Memorial beziehungsweise das War Museum ansteuerte, in dem ich eine kostenlose Führung mitmachte, die aber bei weitem nicht alle Teile der Ausstellung behandelte. Danach bin ich entlang der ANZAC Parade zum Lake Griffin und von dort zur National Gallery of Australia gegangen. Direkt daneben liegt die National Portrait Gallery, in der ich mir unter anderem die Close Up Austellung des deutschen Photographen Martin Schoeller angeschaut habe. Von dort war es nicht mehr weit bis zum Capital Hill, auf den das nicht gerade hübsche Parlamentsgebäude vor einigen Jahrzehnten gesetzt wurde. Dort kam ich gerade rechtzeitig zu einer weiteren freien Führung, die durch die verschiedenen Säle führte und das Design ein wenig zu rechtfertigen versuchte. Vom Dach, auf dem ein riesiger Fahnenmast prangert, hatte man dann aber noch einen super Blick über die Stadt, die ganz nach den Wünschen eines Städteplaners vor weniger als hundert Jahren erst gebaut wurde, da man sich nicht dafür entscheiden konnte, ob Sydney oder Melbourne Hauptstadt von Australien werden sollte. Bei etwas besser werdendem Wetter machte ich mich auf den Rückweg zum Hostel, in dem ich endlich nochmal einen ganzen Tag halbwegs gutes Internet hatte und deswegen auch einige neue Bilder von Cairns und Sydney ins Webalbum hochladen konnte.
Dienstags bin ich dann noch zum Australian Institute of Sport gefahren und habe dort eine Führung mitgemacht, die allerdings ganz schön langweilig war und sich überhaupt nicht gelohnt hat. Zu sehen gab es nur ein paar Sporthallen und einen Bereich mit Sportsimulatoren, der allerdings höchstens für kleinere Kinder interessant gewesen sein dürfte. Immerhin ist mit der Busfahrerei noch einiges an Zeit vergangen, sodass die Wartezeit bis zur Abfahrt des Greyhound Busses um 18 Uhr etwas reduziert werden konnte. Und somit ging es dann abends nach etwa zwei Tagen im nicht wirklich schönen Canberra zurück nach Sydney. Dort musste ich dann nur noch vom Hauptbahnhof die Bahn nach Kings Cross nehmen und von dort zum Hostel laufen. Diesmal musste ich auf ein ziemlich schlecht bewertetes Hostel zurückgreifen, da zur Zeit in Sydney die Cricket Ashes Series ausgetragen wird und dementsprechend viele Touristen wieder unterwegs sind. Die zwei Deutschen an der Rezeption warnten mich auch schon vor allerlei Krabbelgetier, aber bis zum nächsten Morgen habe ich zum Glück keines gesehen.
Heute begrüßte mich im Bad dann eine offensichtlich tote Kakerlake, aber tot sind sie halt immer noch sympathischer als lebend. Eben habe ich mich noch schnell mit etwas Proviant eingedeckt, da ich gleich wieder zum Hauptbahnhof muss, um dort mein Gepäck für die Zugfahrt nach Perth einzuchecken. Der Zug wird hoffentlich planmäßig um 14:55 Uhr abfahren und 4352km später am Samstagmorgen in Perth ankommen. Von dort kann ich euch dann von der längsten Zugfahrt berichten, die ich jemals unternommen habe und die mich sicherlich durch einige wunderbare Landschaften führen wird. Und bestes Wetter erwartet mich auch noch :-)
Viele Grüße in die Heimat!
Roman

Samstag, 1. Januar 2011

Happy New Year...

...aus dem weiterhin wunderschönen Sydney!!! Dieses Jahr hatte ich das Glück an einem ganz besonderen Ort und schon zehn Stunden vor euch den Jahreswechsel zu begehen. Doch vor den Strapazen an Silvester hatten wir noch einen wunderbaren Tag in den Blue Mountains, etwa zwei Stunden außerhalb von Sydney. Um 7 Uhr am Donnerstagmorgen wurden wir von unserem verrückten Fahrer und Tourguide Nick in Kings Cross eingesammelt, und nachdem noch einige andere Hostels abgeklappert worden waren, konnte die Fahrt zur Heimat der Three Sisters (oder eher sieben, wie wir im Laufe des Tages gelernt haben) beginnen.
Unser erste Halt war in einem Tal, in dem es vor etlichen Jahren noch von Kängurus gewimmelt haben soll (als australische Sommer noch monatelang ohne Niederschlag waren), aber mittlerweile verirrt sich dort kein Känguru mehr hin, da sie auch so überall genügend Futter finden, wo sie nicht von lästige Touristen gestört werden. Danach fuhren wir weiter zu einem Aussichtspunkt, von dem wir eine knapp zweistündige Wanderung entlang diverser Wasserfälle starteten, von denen der mehrere hundert Meter hohe Wentworth Waterfall der wohl bekannteste ist. Auf dem Weg erzählte uns Nick, der ganz in der Nähe aufgewachsen ist, noch eine Geschichte aus seiner Kindheit, in der er und ein Freund immer hochgiftige Funnelweb-Spinnen für das Krankenhaus gesammelt haben, bis sein Freund von einem ausgewachsenen Weibchen gebissen wurde und der Kampf ums Überleben begann, der mit erheblichen Organschäden immerhin gewonnen werden konnte. Daraufhin stellte das Krankenhaus jedoch das Programm ein, damit keine weiteren Kinder beim Taschengeldaufbessern lebensgefährlich verletzt werden. Im Anschluss bekamen wir dann endlich die Three Sisters zu sehen, allerdings nur aus einiger Entfernung, da unser Tourguide kein Freund des Massentourismus war und als Sohn eines Aborigines respektvoller mit den heiligen Bergen der Ureinwohner Australiens umgehen wollte. Nach ein paar weiteren Aussichtspunkten ging es am späten Nachmittag wieder Richtung Sydney, wo wir uns nur noch mit Lebensmitteln für den nächsten Tag eindeckten, der lang, sehr lang werden sollte.
So begann der Silvestertag schon um 6 Uhr und keine 45 Minuten später, also 6:45 Uhr MORGENS, machten wir uns auf dem Weg zum Mrs. Macquarie Point, von dem es einen super Blick auf das 17 Stunden später stattfindende Feuerwerk geben sollte. Wir waren jedoch bei weitem nicht die ersten... halb Taiwan hatte anscheinend vor dem Eingang übernachtet. Um 10 Uhr öffneten sich dann die Tore zum Park und um 11:30 Uhr waren wir auch endlich durch die Sicherheitskontrolle, bei der es dem Personal offensichtlich wichtiger war, dass man keinen Alkohol und keine angebrochenen Getränkeflaschen mit hinein nahm, als dass man eventuell Waffen am Körper tragen könnte. Wir ergatterten sogar noch die auf 4000 Stück limitierten Bändchen, die uns Zutritt zum Hafenufer, also der besten Lage, verschafften, wo wir einen mehr oder weniger optimalen Platz neben einer großen Mülltonne einnahmen...später wurde uns auch klar, warum dieser Platz von den Taiwanesen vermieden worden war :-) Diese hatten überall ihre Stative mit Kameras aufgebaut, waren mit USB-Sticks im Internet am surfen, saßen in aufklappbaren Zelten, schwenkten ihre tausenden Fähnchen...und warum waren die eigentlich alle da? Na klar, weil Taiwan in der Silvesternacht 100 Jahre alt wurde. Warum feiert man das dann in Sydney und nicht in Taipeh? Keine Ahnung, jedenfalls gingen die einem im Laufe des Tages ziemlich auf die Nerven. Und es war heiß, richtig heiß. Wasser konnte man sich gegen Entgelt wieder in seine Flasche füllen lassen und 5 Liter habe ich an diesem Tag auch gebraucht. Um den Pöbel bei Laune halten zu lassen, wurde für 17 Uhr eine Flugshow angekündigt, die jedoch ziemlich unspektakulär war, ein Heiratsantrag wurde per Flugzeug in den Himmel geschrieben, eine „Indigenous Smoking Ceremony“ entpuppte sich als kleine schwarze Rauchschwade über dem Hafen, um 21 Uhr gab es ein unspektakuläres Feuerwerk für die Familien mit Kindern und dann: 17 geschlagene Stunden später, war es endlich 0 Uhr. Gänsehaut lief mir über den Rücken, als das neue Jahr mit Feuerwerkskörpern über der Harbour Bridge eingeläutet wurde, aber nach 12 Minuten war der Spuk auch schon wieder vorüber. Das Warten hatte sich im Großen und Ganzen schon gelohnt, denn ein Silvesterfeuerwerk vor dieser markanten Kulisse werde ich so schnell nicht mehr erleben, aber das Feuerwerk an sich hätte besser sein können...so wie das beim Riverfire Festival in Brisbane zum Beispiel, aber es war trotzdem toll. Danach bewegten sich die Menschenmassen langsam aber friedlich aus dem Park und irgendwann nach 1 Uhr waren wir dann auch wieder im Hostel, wo wir endlich mit einem alkoholischen Getränk auf das neue Jahr anstoßen konnten.
Am Neujahrstag, während die meisten von euch wahrscheinlich noch beim Silvesteressen saßen, war ich schon wieder unter den Lebenden und habe begonnen, meine Tasche für die nächste Reiseetappe zu packen. Dann fuhr ich mit dem Zug zum Circular Quay, wo ich mich erst einmal aus Versehen auf die falsche Fähre gesetzt hatte, was ich zum Glück noch rechtzeitig mitbekommen hatte. Die Brücke zum Steg war schon eingezogen und man verbot mir relativ deutlich, die 20cm zum Steg zu springen, aber wenigstens hat man mir die Brücke wieder dorthin gelegt, sodass ich wieder von Bord gehen konnte. Mit der nächsten Fähre ging es dann aber zur Anlegestelle des Olympic Park, der jedoch noch einige Kilometer entfernt lag. Auf dem Weg dorthin lernte ich zwei weitere Deutsche kennen, von denen einer amtierender deutscher Meister im Para-Triathlon ist und erst als ich das von ihm gehört hatte, viel mir auch auf, dass er eine Prothese am rechten Unterarm trug. Die beiden wollten im Aquatic Centre, dem „schnellsten Pool der Welt“, ein paar Bahnen ziehen, aber dort standen bei wieder einmal bestem Sommerwetter Unmengen von Menschen an...für ein Hallenbad. Wir sind dann noch die anderen Sportstätten abgegangen, aber mich enttäuschte etwas, dass nur sehr wenige Relikte von den „Best Games ever“ ausgestellt waren, wie z.B. die olympische Flamme, die als Brunnen im Cathy Freeman Park dient. Mit der Fähre ging es ein letztes Mal durch den wunderschönen Hafen Sydney's und im Hostel habe ich bis gerade die letzten Vorbereitungen für die Fahrt nach Canberra getroffen.
Morgen fährt um 9 Uhr der Greyhound Bus vom Hauptbahnhof und dreieinhalb Stunden später sollte ich in der australischen Hauptstadt ankommen. Dort gibt es hoffentlich noch viele andere interessante Dinge außer dem Parlamentsgebäude geben, aber das werde ich vor Ort ja herausfinden.
Ich hoffe, dass ihr alle gut ins neue Jahr gekommen seid, in dem ich in nun nur noch 40 Tagen auch wieder in Deutschland gelandet sein werde...

Ein Prosit Neujahr der Gemütlichkeit!

Euer Roman