...hätte ich fast verpasst, wenn ich nicht doch noch zufällig aufgewacht wäre. Um 6:45 Uhr sollte ich nämlich am Hostel abgeholt werden, auf 5:45 Uhr hatte ich meinen Wecker gestellt und um 6:22 Uhr habe ich mit Entsetzen auf mein Handy geschaut, aber zum Glück habe ich doch noch alles in 23 Minuten geschafft. Der Bus wurde von dem sehr lustigen Australier Steve gelenkt, dessen Lieblingsaussagen „brilliant“, „you did a great piece of work“ und „God bless you/him/her“ waren...zum Glück haben wir daraus kein Trinkspiel gemacht ;-) Zunächst wurden wie üblich die Hostels in Adelaide abgeklappert, bevor der mit 21 Leuten vollbesetzte Bus seine Reise nach Melbourne antreten konnte. Wir hatten sogar Prominenz an Bord, denn die Miss Schweiz von 2008 , Whitney Toyloy, war mit einer Freundin dabei...Glamourfaktor hat dies unserer Reise jedoch nicht beschert :-) Zu Beginn ging es durch die hübsche Landschaft der Adelaide Hills, aber recht früh bin ich schon wieder eingeschlafen, da es dann nach so langer Zeit in Australien doch nicht mehr so spektakulär war. Irgendwann mussten wir mit der Fähre über den Murray River, den längsten Fluss Australiens, übersetzen, später kamen wir noch an einer Strandautobahn und am Big Lobster (der sich nahtlos in die Liste mit Big Pineapple, Big Mango, Big Bundaberg Bottle einreihte) vorbei und dann machten wir einen kurzen Stopp, während dem Steve Zutaten für Wraps und Sandwiches einkaufte, welche wir kurz danach in
einem am Strand gelegenen Park zu uns nahmen. Unser nächstes größeres Ziel war der Blue Lake, ein 70m tiefer See im Krater eines erloschenen Vulkans, dessen markante Blaufärbung durch die vorhandenen Mineralien hervorgerufen wird, und dann erreichten wir auch schon unser Hostel für die erste Nacht in Mount Gambier, das sehr cool war, da es ein umfunktioniertes ehemaliges Gefängnis war, das aber immer noch von hohen Mauern mit Stacheldraht umgeben und auch im Inneren noch deutlich als Gefängnis zu erkennen war. Zum Dinner gab es ein umfangreiches BBQ und natürlich wurde auch im Gefängnis nicht auf die Nightsession aus Melbourne verzichtet ;-)Nach dem Frühstück am nächsten Morgen mussten wir erst einmal unseren Bus anschieben, da er sonst nicht angesprungen wäre, und nach einigen Kilometern kamen wir endlich an die wunderbare schraffe Küste von South Australia, wo wir hielten und unterhalb der Klippen auch Seelöwen aus dem Wasser springen sehen konnten. Im Hafen, der direkt neben dem Park lag, in dem wir unsere Mittagspause machten, schwamm
sogar ein großer Stachelrochen herum, den ich in dieser Umgebung niemals erwartet hatte. Nach der Pause verbrachten wir wieder einige Stunden im Bus, die ich nutzte, um viel in „Down Under“ zu lesen, einem Buch, das Gerrit mir vor meinem Abflug geschenkt hatte und das einen humorvollen Reisebericht eines amerikanischen Schriftstellers von seiner Zeit in Australien beinhaltet. Ich bin froh, dass ich es erst jetzt lese, da ich nun schon so viele Sachen erlebt habe, von denen der Autor berichtet und es mich so auch wieder an die vielen Flecken erinnert, an denen ich schon gewesen bin...in jedem Fall ist es sehr empfehlenswert und bestimmt auch auf Deutsch erhältlich. Dann erreichten wir irgendwann auch endlich die eigentlich Great Ocean Road, die nach dem Ersten Weltkrieg von der Royal Australian Army angelegt worden war und nun ein absolutes Touristenhighlight ist, weswegen auch sehr viele Schilder daran erinnern: „We drive left in Australia“ :-) Unser erstes Highlight an der Great Ocean Road war die London Bridge, die im Prinzip keine Brücke
mehr ist, da ein Teil davon vor einigen Jahren eingestürzt ist, wozu uns Steve natürlich wieder eine lustige – aber wahre Geschichte – zu erzählen hatte, die ich kurz zusammenfassen möchte: Mann sagt seiner Frau, dass er auf Geschäftsreise nach Sydney muss...stattdessen fährt er mit seiner geliebten Sekretärin zur London Bridge und beide laufen auf die andere Seite der Brücke...Brücke stürzt ein...die nächsten Touristen können die Polizei informieren...alle TV-Sender kommen mit Hubschraubern und berichten live...am nächsten Tag ist es in allen Medien zu sehen...“God bless them“ :-) Danach fuhren wir zum unweit entfernten Hostel, checkten ein und machten uns dann wieder auf den Weg zu den weltberühmten 12 Aposteln, um den Sonnenuntergang zu sehen, der allerdings hinter vielen Wolken ohne uns stattfand...trotzdem war es unglaublich schön. Vor einiger Zeit ist auch einer der Apostel eingestürzt, was nur von einem 7-jährigen Mädchen beobachtet wurde,
weil die Eltern lieber im Auto warten wollten, da sie sich nicht schon wieder ein paar Felsen im Meer ansehen wollten...sie werden sich im Nachhinein geärgert haben :-) Herr Wawrinka qualifizierte sich danach übrigens noch für das Viertelfinale, was für diesen Bericht noch von Bedeutung sein wird...Am nächsten Morgen zeigte sich die Great Ocean Road von ihren kühlen und rauen Seite, die tausende Seefahrer in der Vergangenheit schon das Leben und etliche Kapitäne ihre Schiffe gekostet hat. Ein Schiffswrack sollten wir eigentlich von einem Aussichtspunkt sehen, aber dann war es doch nicht sichtbar...auch nicht so schlimm, denn wir wollten nur wieder in den warmen und trockenen Bus. Bei gefühlten Minusgraden, ok, sagen wir 18°C, liefen wir noch eine kleine Runde durch einen Regenwald und dann stand schon wieder Mittagspause auf dem Programm – diesmal in Apollo Bay, einer eigentlich nicht
erwähnenswerten Kleinstadt am Pazifik. Aber wen treffe ich dort? Fabienne und Alex, die ich seit der ersten Nacht am Flughafen in Brisbane kenne und die ebenfalls an der USC studiert haben – und sie machten zufälligerweise auch Halt in Apollo Bay auf ihrem Weg nach Melbourne :-) Das Wetter besserte sich glücklicherweise stetig und am Nachmittag haben wir noch etliche Koalas in freier Wildbahn in einem Eukalyptuswald am Meer gesehen...schon cool, dass diese putzigen Tiere dort einfach überall in den Bäumen hängen. Danach ging unsere Tour weiter entlang der schönen Küste, wir passierten das Denkmal für die Erbauer der Great Ocean Road und zwei Stunden später standen wir schon im Herzen von Melbourne, wo
ich zusammen mit einer Schweizerin den Bus verlassen habe, um mit der Tram nach St. Kilda (südlich des Albert Parks) zu fahren, wo sich unsere Hostels befanden. Wir sind erst einmal schwarz gefahren und ein nettes Ehepaar hat mir glücklicherweise die richtige Haltestelle gezeigt, von der ich nur noch wenige Meter bis zum Hostel laufen musste. Im Hostel habe ich dann Bina und Fabi wiedergetroffen, die schon am Morgen nach ihrem Flug aus Darwin eingecheckt hatten. Wir mussten uns natürlich erst einmal über die vergangenen drei Wochen austauschen, dann wurde etwas eingekauft, die geschossenen Fotos auf Fabi's Festplatte gesichert und der Spielplan für den nächsten Tag bei den Australian Open gecheckt...und danach konnte ich kaum schlafen vor Aufregung :-)Irgendwie hat es dann doch noch funktioniert, zum Frühstück serviert das Hostel jeden Morgen Pancakes und nach der Stärkung machten Fabi und ich uns heute auf den Weg zum Melbourne Olympic Park, in dem auch die Rod Laver Arena und damit die Australian Open ihr Zuhause haben. Für die heutige Daysession hatten wir nämlich schon im Oktober Tickets gebucht und wir hatten richtig spekuliert, denn wir sollten drei richtige Top-Spiele zu sehen bekommen...zumindest auf dem Papier. Als erstes spielte die letzte im Turnier verbliebene Deutsche Andrea Petkovic, die jedoch vor Aufregung angeblich nicht schlafen konnte und deswegen sang und klanglos gegen die Chinesin Li Na eingegangen ist. Im Anschluss gab es ein Schweizer Derby zwischen Roger Federer und Stanislaw Wawrinka, das jedoch zu sehr vom Vorjahressieger dominiert wurde und dementsprechend etwas unter mangelnder Spannung litt. Trotzdem kann ich hinter Federer auf der Liste der Sportler, die ich einmal live gesehen haben möchte, einen Haken machen...Tiger Woods, Dirk
Nowitzki und co. dürften etwas schwieriger werden ;-) Nach diesem eigentlichen Topspiel leerte sich die Arena ein wenig, obwohl danach die bildschöne Weltranglistenerste Caroline Wozniacki gegen das Biest aus Italien, Herr oder Frau Schiavone, spielte und die beiden das spannendste von drei Spielen in dieser Daysession boten, das die Dänin am Ende verdient gewann. Danach machten wir noch einige Fotos und traten den Rückweg zum Hostel an, wo wir uns noch die übliche Cheap Tuesday Pizza bei Domino's gönnten, die aber anscheinend auch nur in Melbourne dienstags nicht billig sonder normal bepreist ist, was wir jedoch erst bei der Abholung erfuhren. Dementsprechend sparten wir uns das Geld danach für die Party, auf die viele Hostelleute gingen, aber morgen ist ja Australia Day und dann sollte einiges in der Stadt los sein. Ich werde euch auf dem Laufenden halten :-)Und noch das übliche Rechenspiel zum Schluss: In 16 Tagen meiner Zeit sitze ich schon im Flugzeug nach Hause und in 17 Tagen eurer Zeit werde ich schon in Frankfurt gelandet sein...der Wahnsinn!!!
Bis bald
Euer Roman



























