Hallo zusammen!

Herzlich willkommen auf meinem Blog, den ich anlässlich meines mittlerweile vergangenen Auslandssemesters an der University of the Sunshine Coast, Queensland, Australien zwischen Juli 2010 und Februar 2011 angelegt hatte. Darin habe ich euch hoffentlich nicht zu ausführlich von meinen Erlebnissen und Eindrücken vom anderen Ende der Welt berichtet und auch die ein oder anderen Fotos hochgeladen. Über Nachrichten und Kommentare von euch würde ich mich natürlich sehr freuen und wünsche euch hiermit viel Spaß beim Lesen und Stöbern in diesem Blog!

Roman

Mittwoch, 9. Februar 2011

Alice Springs...

...und die Rock Tour waren die für mich wohl letzten großen Abenteuer in Australien...aber was für ein Abschluss einer tollen Zeit! Letzten Mittwoch musste ich dann erst einmal aus dem Hostel in Melbourne auschecken, aber zum Glück konnte ich meinen großen Rucksack dort lagern und noch eine Weile vor dem Fernseher verbringen. Mittags bin ich dann nochmal bei Peter Pans ins Internet gegangen, habe mir anschließend eine weitere Ausstellung im Melbourne Museum angeschaut, von dort bin ich zur Southern Cross Station gefahren, um mich wegen der Shuttle-Busse zum Flughafen Avalon zu erkundigen, und da mein Bus um 3:55 Uhr am Donnerstagmorgen fahren sollte, musste ich noch eine kleine Ewigkeit ausharren. McDonald's konnte mir zum Glück ein Obdach bieten, aber da die Klimaanlage dort auf Hochtouren lief, war es gar nicht mal so angenehm. Wenigstens gab es einen Fernseher, auf dem ein Cricket-Spiel gezeigt wurde (das ich mittlerweile eigentlich auch verstehe und das deswegen ganz interessant war), dann wurde viel über den Zyklon in Nord-Queensland berichtet und nachts lief sogar noch „Tränen der Sonne“, sodass ich einigermaßen gut beschäftigt war. Zwischendurch bin ich aber immer mal wieder an den Yarra River gegangen und irgendwie ist der Abend dann auch halbwegs schnell herumgegangen. Nach Mitternacht bin ich dann wieder zum Busbahnhof marschiert und habe endlich „Down Under“ zu Ende gelesen, gegen 3 Uhr traf der Bus ein und nachdem alle ihre Tickets gekauft hatten und eingestiegen waren, konnte die Fahrt auch pünktlich losgehen. Seltsam war nur, dass der Busfahrer kein einziges Wort gesagt hat, zu niemandem, noch nicht einmal beim Einsteigen, aber ich saß zum Glück im richtigen Bus ;-) Der Flughafen Avalon liegt fast 45 Minuten außerhalb der Innenstadt und besteht im Prinzip nur aus einigen Containern, aber nach dem Sicherheitscheck konnte ich mir wenigstens noch eine ordentliche Zeitung kaufen und danach war ich ziemlich geschockt, was denn dort mit Yasni für ein riesiges Monstrum auf Australien zukam, zumal ich ja in den betroffenen Städten fast überall gewesen bin. Mit etwas Verspätung durfte das Flugzeug dann gegen 8 Uhr geboardet werden und  nach einem kleinen Marsch durch Kälte und Nässe auf dem Rollfeld konnte ich erfreut feststellen, dass ich eine ganze Reihe für mich allein hatte. Dadurch konnte ich mich ausbreiten und wenigstens zwei Stunden schlafen, aber den Landeanflug auf das – für mich etwas unerwartet – ziemlich grüne Alice Springs (es hatte dort im letzten Jahr anscheinend wesentlich ausgiebiger als normal geregnet)habe ich dann wieder mitbekommen. Nach der Gepäckentgegennahme wurden wir recht bald vom Hostel Haven abgeholt und nach dem Check-In dort bin ich erst einmal in die Stadt gelaufen, weil ich noch meine Teilnahme an der am nächsten Tag beginnenden dreitägigen Rock Tour bestätigen musste. Es war erschreckend, wie viele zugedröhnte Aborigines in der ganzen Stadt herumlungerten und irgendwie auch etwas beängstigend, weswegen allen Touristen auch geraten wird, nachts nicht alleine durch die Stadt zu laufen. Auf dem Rückweg habe ich noch den Ghan durch die Stadt fahren sehen und im Hostel habe ich nur noch etwas Zeitung gelesen und bin schon gegen 20 Uhr ins Bett gegangen, da wir am nächsten Morgen bereits sehr früh für die Tour abgeholt werden sollten.
Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker und um 5:50 Uhr saß ich mit einigen anderen Leuten aus dem Hostel im Bus und so konnten die anderen Hostels in Alice Springs abgeklappert werden. Im Endeffekt saß eine deutsche Caro neben mir, die mir sehr offen von ihrer Drogenkarriere erzählte und sie war nicht unbedingt die beste Sitznachbarin, die man sich vorstellen kann...dementsprechend war mir ganz recht, dass ich recht bald wieder eingeschlafen bin ;-) Gegen 12 Uhr kamen wir am Kings Canyon  an, von wo aus wir eine dreistündige Wanderung bei weit über 30°C starteten für die wie zudem ein unglaubliches Lunch-Paket bekamen: ein Brötchen, einen kleinen Apfel und einen Müsli-Riegel...es sollte nicht die letzte mickrige Mahlzeit der nächsten drei Tage gewesen sein. Der Canyon aber war sehr imposant und auf der Hälfte der Strecke badeten wir noch im sogenannten Garden of Eden, was sehr angenehm war. Nach der Wanderung traf ich auch noch Steve, meinen netten Tour-Guide von der Great Ocean Road Tour, der mit einer Gruppe von Adelaide nach Alice Springs unterwegs war. Im Anschluss ging unsere Fahrt weiter und wir mussten unter anderem tanken, was im Outback mit 2,03 AUD im Vergleich zu sonst normalen 1,30 AUD ziemlich teuer war. Feuerholz mussten wir auch noch sammeln, wir sahen etliche Kamele an der Straße und an einer großen Rinderfarm deckten wir uns für die nächsten Tage mit Bier ein (67 AUD pro Kiste statt sonst schon viel zu teuren 45 AUD). Dort gab es auch die letzte Toilette bis zum nächsten Morgen, da wir wenig später in unserem Camp ankamen, das im Prinzip nur eine größere offene Sandfläche war. Dort wurde zunächst ein Feuer gemacht und gekocht und danach wurden die sogenannten Swags ausgerollte, in die man später mit seinem Schlafsack kroch. Das ganze war nicht gerade gemütlich, aber was sich uns für ein Sternenhimmel bot, ist einfach unbeschreiblich...so etwas habe ich wirklich noch nicht gesehen...Millionen von Sternen, fast jede Minute eine Sternschnuppe, die Milchstraße...all das sah man so deutlich. Dementsprechend war ich immer wieder überwältigt, wenn ich nachts aufgewacht bin, was zudem relativ häufig passierte, da sich einige Ameisen in meinen Swag verirrten :-)
Am nächsten Morgen wurden wir schon wieder um 5:30 Uhr geweckt, zur Belohnung gab's eine Packung Cornflakes für 20 Personen (allerdings für zwei Tage gedacht...) und etwas Toast und nach dieser „Stärkung“ mussten wir das Camp wieder aufräumen und fuhren anschließend ins Uluru Resort, in dem wir die nächste Nacht verbringen sollten und wo wir wieder Zugang zu Toiletten und auch Duschen hatten. Von dort steuerten wir als nächstes das Valley of the Winds bei den Kata Tjutas an, die vor Millionen Jahren ähnlich wie Uluru entstanden sind. Dort machten wir wieder eine knapp dreistündige Wanderung und danach gab es einen Wrap pro Person im Basislager...erneut lächerlich. Wenigstens konnten wir nach dem Essen noch im Pool relaxen bevor wir zum Cultural Center fuhren, in dem die Geschichte der Ureinwohner behandelt wird und auch Briefe und Pakete von Leuten zu sehen sind, die Steine und Sand aus dem Nationalpark als Souvenir mitgenommen hatten und sich seitdem verflucht fühlten. Währenddessen regnete es draußen heftigst, aber wenig später strahlte schon wieder die Sonne und wir besichtigten den ersten Teil von Uluru aus der Nähe, wo es schon einige Höhlen, Spuren von Wasserfällen und jahrtausendealte Malereien zu bestaunen gab. Im Anschluss fuhren wir zu einem Parkplatz, von dem aus der Sonnenuntergang zusammen mit hunderten anderen Touristen bestaunt wurde...jedoch war es wieder etwas bewölkt und am Ende zog ein Sturm auf, der wohl zu den Ausläufern von Zyklon Yasni gehörte. Dementsprechend flohen alle Gruppen in ihre Camps, wo wir dann aber im Laufe des Abends bei lustigen Spielen, wie z.B. Swag-Sumo noch unseren Spaß hatten...obwohl das gekochte Essen nicht für alle gereicht hatte...unvorstellbar. Wir hatten auch einige unschöne Mitbewohner im Camp, unter anderem eine tödliche Redback-Spinne, die ihre Eier unter dem Dach beschützte, ein Tausendfüßler und natürlich unzählige Kakerlaken und Heuschrecken. Trotzdem wurde wieder im Freien übernachtet (bis auf die Israelin, die gerade ihre zweijährige Armeezeit hinter sich gebracht hatte :-) und da es die ganze Nacht über ziemlich windete, hatte ich am nächsten Morgen einige Probleme, den ganzen roten Sand aus den Haaren, Ohren und der Nase zu bekommen.
Da ich aber etwas früher aufgewacht war, konnte ich noch duschen bevor wir zum Sonnenaufgang am gleichen Aussichtspunkt wie am Vorabend fuhren. Dort war es aber so etwas von kalt, es stürmte immer noch und die Sonne war auch von einer dichten Wolkendecke verhangen, weswegen das frühe Aufstehen ziemlich umsonst gewesen war. Stattdessen liefen wir aber noch die 10km um Uluru herum, wobei man sehr häufig keine Fotos machen durfte, da es sich um heilige Stätten der Aborigines handelte. Nach dem Walk machten wir uns auf den sechsstündigen Rückweg mit Ziel Alice Springs, auf dem es in Strömen begann zu regnen und da die Australier ihre Straßen relativ dumm gebaut haben, mussten wir immer wieder über überflutete Streckenabschnitte fahren. Wir hielten auch noch an einer Kamelfarm, aber wegen der Nässe durfte nicht auf den Kamelen geritten werden, da sie ja sonst ausrutschen könnten. Gegen 17:30 Uhr traf ich endlich in der Alice Lodge ein, die etwas schöner als das Haven vor der Tour war und abends traf sich unsere Gruppe noch einmal in der Rockbar...und um 4 Uhr war ich wieder in meinem Bett, nachdem wir noch das Kasino unsicher gemacht hatten, da es der einzige Laden war, der auch noch nach Mitternacht offen hatte ;-)
Deswegen habe ich am Montag auch den Superbowl verpasst, worüber ich mich ziemlich geärgert habe und auch sonst passierte am Montag nicht viel. Aber am Pool war es sehr nett und ich konnte noch einmal die australische Sonne tanken.
Gestern habe ich mit Nathalie aus der Schweiz noch etwas Alice Springs besichtigt, wir waren auf dem ANZAC Hill, Pizza essen, Digeridoo spielen und um 17 Uhr fuhr uns der Shuttle-Bus vom Hostel zum Flughafen, an dem ich Anika und Viola von der USC traf. Mit deren Maschine bin ich dann auch wieder zurück nach Melbourne geflogen, wo wir gegen 23 Uhr ankamen und da ich für diese Nacht kein Hostel mehr gebucht hatte, habe ich mir die Nacht am Flughafen und in der Stadt um die Ohren gehauen und bin mit der ersten Tram gegen 6 Uhr nach St. Kilda zum Hostel gefahren, in dem ich allerdings erst gegen 12 Uhr auf mein Zimmer konnte. Da ich mich noch nicht hinlegen wollte, bin ich wenig später auch schon wieder in die Stadt gefahren, um noch einmal das Großstadtfeeling in mich aufzusaugen und die letzten Souvenirs zu kaufen. Zum Glück verteilten sie am Federation Square heute Energydrinks, da ich sonst wahrscheinlich schon lange eingeschlafen wäre. Danach war ich noch einmal in St. Kilda und mittlerweile ist es schon wieder 17 Uhr und ich bin schon seit 33 Stunden ohne Schlaf...und das wird sich wahrscheinlich in den nächsten drei bis vier Stunden auch nicht mehr ändern, aber dann werde ich um so bessern schlafen können heute Nacht. Die Rucksäcke sind im Prinzip auch schon gepackt, sodass morgen kein all zu großer Stress mehr aufkommen sollte. Und damit geht in wenigen Stunden das wahrscheinlich spannendste Kapitel meines bisherigen Lebens zu Ende. Alles begann im Juli des vergangenen Jahres mit dem Abflug von Frankfurt über Dubai und Singapur nach Brisbane, es folgten viereinhalb anstrengende aber auch sehr schöne Monate an der University of the Sunshine Coast und weitere zweieinhalb unvergessliche Monate auf Achse, in denen ich alle Staaten des australischen Festlandes bereist und unglaublich viele tolle Dinge erlebt habe. Und morgen Abend setze ich mich in Melbourne wieder in eine Emirates-Maschine und komme nach Plan am Freitag um 12:45 Uhr in Frankfurt an. Wie wird es wohl sein, wieder ins kalte Deutschland zu kommen? Was wird sich verändert haben? Werde ich einen reverse-culture-clash erleben? Wir werden sehen :-) Jedenfalls freue ich mich sehr auf mein Zuhause, auf Mama, Papa und Gerrit, auf ein wieder etwas unkomplizierteres Leben, auf mein Bett, darauf, dass ich am Freitagabend wieder meine Tischtennisschuhe schnüren und abends am Berg mein erstes Kölsch seit sieben Monaten trinken kann (auch wenn es von Sion sein wird...:-) Vielleicht sieht man sich ja dort...und am Montag übernehme ich schon wieder meine Wohnung in Remagen...und dann kehrt wahrscheinlich bald wieder der deutsche Alltag ein...möge ich trotzdem diese Zeit niemals vergessen, aber genau dafür habe ich ja auch diesen Blog geschrieben und er hat euch hoffentlich gefallen...mit eurer Kommentarleistung war ich zwar nicht zufrieden, aber noch ist dieser Blog ja nicht abgeschlossen :-P Der Vollständigkeit wegen werde ich natürlich noch über meine letzten beiden Tage und die Ankunft in Deutschland berichten und dann bin ich von der Schreibarbeit erlöst. Ich freue mich nämlich schon sehr darauf, mit euch persönlich über meine Erfahrungen zu sprechen. Und spart euch bitte die Frage: „Wie war's?“ Ich denke, dass das nämlich ersichtlich geworden ist...es war AWESOME!!!
Ein letzter besonders herzlicher Gruß aus Australien!
Euer Roman

Dienstag, 1. Februar 2011

Melbourne...

...ist die Sporthauptstadt Australiens und hat mir allein deshalb natürlich schon gefallen. Aber auch sonst habe ich in der vergangenen Woche wieder einiges erlebt, beginnend mit den Feierlichkeiten für den Australia Day am Mittwoch, den 26. Januar, an dem James Cook's Ankunft in Australien im Jahre 1788 gefeiert wird (die Aborigines bezeichnen diesen Tag übrigens weniger positiv als Invasion Day). Deswegen war ab dem frühen Morgen überall in der Stadt etwas los und wir traten den Feierlichkeiten gegen 10:30 Uhr an der Town Hall bei, wo die Stadtväter ihre Reden hielten, die Flagge gehisst und dabei die Nationalhymne mit allen Strophen gesungen wurde. Im Anschluss gab es die sogenannte People's Parade, bei der verschiedene Bevölkerungsgruppen von Melbourne (also z.B. Griechen, Thailänder, Libanesen usw.) wie bei einem Karnevalszug angeführt von den unterschiedlichen australischen Militärgruppen zum Kings Domain Park marschierten (leider aber ohne Kamelle). Dort gab es dann etliche Stände von Vereinen, die Feuerwehr war da, unzählige Oldtimer wurden ausgestellt, aber so spannend war es dann doch wieder nicht für uns, weswegen wir bald den Rückweg zum Hostel antraten. Von dort habe ich mich dann auf die Suche nach einem Supermarkt gemacht, habe jedoch eine falsche Wegbeschreibung bekommen und bin deswegen lange in die falsche Richtung gegangen, wobei ich dadurch wenigstens noch etwas von der Flugshow über Melbourne mitbekommen habe und gesehen habe, wie die meisten Australier ihren Nationalfeiertag begehen: nämlich mit BBQ im Park, viel Alkohol aus ihren blauen Kühlboxen und dazwischen wurde immer wieder Cricket oder Aussie Football gespielt. Irgendwann habe ich dann die Tram in die andere Richtung genommen und Coles endlich gefunden, womit das verspätete Mittagessen gerettet war. Am Abend sind wir dann wieder zum Federation Square in der Innnenstadt gefahren, wo wir ein eher langweiliges Feuerwerk zu sehen bekamen, aber immerhin rundete es den Australia Day 2011 für uns ab.
Nach dem schon üblichen Pancake-Frühstück haben wir uns in den kostenlosen Touristen-Shuttelbus gesetzt, der in 90 Minuten ziemlich langsam kreuz und quer durch Melbourne fährt und dabei über die Lautsprecher einige wenige Informationen über die passierten Gebäude wiedergibt. Am riesigen Queen Victoria Market sind wir dann aber ausgestiegen, um uns die unglaubliche Auswahl an Produkten aus nächster Nähe anzugucken. Dort habe ich mich dann aber auch von Fabi und Bina getrennt und bin mit der Tram zur Harbour Town gefahren, in der es ein größeres Einkaufszentrum und ein Wintertrainingszentrum des australischen olympischen Komitees gibt...ich habe meinen Augen auch kaum glauben können, aber dort haben sie tatsächlich Eishockey gespielt :-) Von dort bin ich dann entlang des Hafens zum Etihad Stadium gelaufen, in das ich aber nur einen kleinen Blick werfen konnte, und als nächstes peilte ich das Police Museum of Victoria an, das im World Trade Center von Melbourne untergebracht ist. Dieses war allerdings nicht so groß, sodass ich auch noch die empfehlenswerte Ausstellung im Immigration Museum mitnehmen konnte. Da dieses um 17 Uhr schloss, bin ich dann noch zum Federation Square gepilgert und habe mir dort mit tausenden anderen Leuten das zweite Frauen-Halbfinale auf der Großbildleinwand unter der australischen Sonne angeschaut...herrlich. Danach machte ich mich aber wieder auf den Weg zum Hostel und zufälligerweise standen meine beiden Kollegen aus Remagen genau in derselben Tram ;-) Nach dem Abendessen wurde dann nur noch Federer's Niederlage geschaut und dann war auch schon wieder Schicht im Schacht.
Am Freitag habe ich eine erste Streckenbegehung im Albert Park gemacht, in dem Ende März das erste Formel 1 Renner der Saison 2011 stattfinden wird und ich kann nur sagen, dass die Organisatoren noch viel Arbeit vor sich haben. Die Streckenführung ist zwar grob zu erkennen, aber ansonsten erinnert dort noch nicht viel an ein Rennspektakel. Es gibt z.B. nur eine festinstallierte Tribüne bisher, die anderen werden anscheinend nur temporär aufgebaut, überall sind Verkehrsinseln und Parkscheinautomaten auf der Strecke, nur an wenigen Passagen gibt es schönen neuen Asphalt, auf dem auch Linien zu erkennen sind, die Boxengasse wird gerade neu asphaltiert und ich könnte ewig so weitermachen. Vor meinem Abflug werde ich mir das Ganze noch einmal angucken und gegebenenfalls die FIA informieren, dass die Aussies es mal wieder etwas zu gemächlich angehen lassen ;-) Von dort habe ich dann die Tram in Richtung Stadtzentrum genommen und den Shrine of Remembrance, das Observatorium und den botanischen Garten besichtigt. Dann war es wieder Zeit für eine lunch break im Hostel und von dort sind Fabi und ich zum Melbourne Cricket Ground gefahren, in dem wir uns zunächst das Australian Sport Museum und danach das Twenty-Twenty Cricket Match zwischen Victoria und South Australia angeschaut haben, das nicht wirklich spannend, aber mal wieder eine interessante Erfahrung war. Im Laufe des Spiels haben wir wenigstens auch die meisten Regeln, Strategien und die Zahlen auf der Anzeigetafel verstanden und dementsprechend war das Eintrittsgeld gut investiert. Leider war der MCG nur zu ungefähr einem Achtel gefüllt – mit 13600 Zuschauern – wenn das Stadion mit 100000 Leuten beim AFL Grand Final ausverkauft ist, muss dort eine unfassbare Stimmung herrschen und später wurde es auch noch ganz schön frisch im Stadion, weswegen sich die Spieler auf dem Feld ganz gerne in der Nähe der Pyrotechnik aufhielten :-)
Am Samstagvormittag wärmte dann aber wieder die australische Sommersonne und ich bin mit der Tram zum Federation Square gefahren, um mir dort die Ausstellung im Australian Center of the Moving Image anzuschauen, in der die Entwicklung von den ersten bewegten Bildern bis zu den neuen Medien und Videospielen sehr interessant präsentiert wurde. Anschließend habe ich noch einen kurzen Blick in die St. Paul's Cathedral geworfen, bin von dort zum chinesischen Viertel gelaufen, danach durchs griechische Viertel zurück zur Swanston Street, habe mich mit zwei Sushi-Rollen in die Flagstaff Gardens gesetzt und anschließend noch einen größeren Souvenirshop besucht, der aber auch nicht das im Sortiment hatte, wonach ich auf der Suche war. Nach der Ankunft im Hostel habe ich endlich nochmal meine Laufschuhe geschnürt und bin eine Runde durch den Albert Park gelaufen, danach wurde gekocht und das Frauen-Finale geguckt und das war dann Tag 199 seit meinem Abflug am 15. Juli 2010.
Am 200sten Jubiläumstag holte die Sonne mal alles aus sich heraus, was sie zu bieten hatte: 40°C zeigten die Thermometer und deswegen habe ich mich nach dem Frühstück mal ganz schnell zum Strand in St. Kilda begeben, wo zum Glück eine leichte Brise wehte und das Wasser sehr angenehm war. Nach einigen Stunden wurde es mir dann aber doch zu heiß und deswegen bin ich nach einem kurzen Zwischenstopp im Hostel ins wohl temperierte Melbourne Museum gefahren, das mit meiner Australian Student ID zum Glück kostenlos war. Als es um 17 Uhr schloss, habe ich mich wieder auf den Rückweg begeben und wenig später begann ja auch schon das Herren-Finale, von dem ich zunächst den ersten Satz im Hostel gesehen, danach mit Mama und Gerrit geskypt und wenn Andy einen Satz gewonnen hätte, hätte ich mich auch noch zum Federation Square begeben, um mit Tausenden anderen Tennisfans zusammen den Höhepunkt eines spannenden Turniers zu verfolgen, aber leider war das Spiel ja etwas schneller vorbei als erwartet.
Den Montag hatte ich als Shoppingtag eingeplant, da sich in und um Melbourne herum drei Outletcenter befinden und ich nach Monaten in den gleichen T-Shirts nochmal etwas Abwechslung an den Körper bringen wollte. Außerdem fliege ich ja bald nach Hause und bei Emirates darf ich zum Glück mehr Gepäck mitnehmen als bei den Inlandsflügen hier, aber obwohl ich den ganzen Tag unterwegs war, wird mein Rucksack nur unwesentlich schwerer als bisher sein. Ich hatte wirklich etwas mehr von den Outlets erwartet und deswegen bin ich auch noch durch das Einkaufsviertel im CBD gelaufen, aber dort wird man einfach nur von horrenden Preisen geschockt. Naja, dafür war es wieder warm und ich habe einige weitere Ecken von Melbourne gesehen.
Heute vormittag habe ich mich mit Annika von der USC am Strand in St. Kilda getroffen, wo ein dermaßen warmer und starker Wind wehte, dass kaum jemand am Strand an sich, sondern auf den etwas weiter entfernten Wiesen lag. Danach habe ich noch etwas eingekauft, war noch einmal in der Stadt, habe meine Transfers von Melbourne zum Flughafen Avalon und vom Flughafen in Alice Springs zum Hostel organisiert und mit Matt von der USC telefoniert, weil man mir eine böse Email geschickt hatte, dass ich meinen Koffer nicht in den Wohnzimmern von anderen Leuten in UniCentral lagern dürfte...aber auch das ist jetzt geklärt :-)
Morgen werde ich dann dieses Hostel für eine Woche verlassen und bis 3:55 Uhr am Donnerstagmorgen die Zeit rumschlagen, weil dann erst der erste Shuttlebus nach Avalon fährt. Von dort werde ich um 7:30 Uhr nach Alice Springs fliegen und damit naht das letzte große Abenteuer in Australien inklusive einer dreitägigen Tour durch die Wüste mit Nächten unter freiem Sternenhimmel...und etlichen Kleintieren um uns herum, die uns problemlos im Schlaf umbringen könnten...ich hoffe mal, dass sie an den Tagen was anderes vorhaben ;-) Außerdem ist etwas ungewöhnliches Wetter für die Wüste angesagt...es soll stürmen und regnen. Hoffentlich fällt die Tour nicht ins Wasser, denn den Uluru wollte ich schon noch gesehen haben bevor ich wieder nach Hause fliege...und das in ganz schön absehbarer Zeit. Mittlerweile braucht man sogar nur noch zwei Hände zum Runterzählen: neun Tage habe ich noch in Australien und in zehn Tagen bin ich wieder zuhause. Die Vorfreude wird immer größer, obwohl ich auch etwas aufgeregt bin, ob ich mich denn problemlos wieder an das Leben in Deutschland gewöhnen werde. Jetzt heißt es aber erst einmal „Red Centre, ich komme!“ und nächste Woche kann ich mich dann ernsthaft mit Abschiedsschmerz auseinandersetzen :-)

Liebe Grüße aus Melbourne!

Euer Roman