Hallo zusammen!

Herzlich willkommen auf meinem Blog, den ich anlässlich meines mittlerweile vergangenen Auslandssemesters an der University of the Sunshine Coast, Queensland, Australien zwischen Juli 2010 und Februar 2011 angelegt hatte. Darin habe ich euch hoffentlich nicht zu ausführlich von meinen Erlebnissen und Eindrücken vom anderen Ende der Welt berichtet und auch die ein oder anderen Fotos hochgeladen. Über Nachrichten und Kommentare von euch würde ich mich natürlich sehr freuen und wünsche euch hiermit viel Spaß beim Lesen und Stöbern in diesem Blog!

Roman

Donnerstag, 31. März 2011

Seelscheid...


…hat mich wieder!!! Es ist so schön wieder zuhause zu sein, aber irgendwie vermisse ich jetzt schon ein wenig die unvergessliche Zeit in Australien. Sieben Wochen ist mein letzter Blogeintrag nun schon alt, aber der Vollständigkeit halber möchte ich noch die letzten Stunden meiner sieben Monate außerhalb von Deutschland zusammenfassen :-)
Am Tag vor der Abreise habe ich noch bis 20 Uhr durchgehalten und dann 12 Stunden durchgeschlafen, was mein Körper schon den ganzen Tag gefordert hatte. Am Donnerstagmorgen gab es ein letztes Mal Pancakes im Hostel, danach wurde alles zusammengepackt und irgendwie habe ich es auch problemlos in die beiden Rucksäcke bekommen. Danach wurden die letzten Emails aus Australien geschrieben, dabei das sehr torreiche NHL-Spiel zwischen Boston und Montreal (8:6) geguckt, ein letztes Känguru-Steak gebraten und nochmal im Albert Park vorbeigeschaut, wo mittlerweile wenigstens zu erkennen war, dass dort fünf Wochen später ein großes Rennen stattfinden würde. Gegen 18:30 Uhr haben wir uns dann auf den Weg zur Southern Cross Station gemacht, von wo aus der Skybus zum Flughafen Tullamarine alle zehn Minuten fährt. Glücklicherweise hatte ich mich noch dazu überwunden, ein Ticket für die wenigen Stationen mit der Tram zu kaufen, denn wie es der Zufall so wollte, wurden alle Fahrgäste an der Southern Cross Station kontrolliert…und ich konnte mit einem riesigen Grinsen im Gesicht mein Ticket zeigen :-) Der Skybus brachte uns anschließend zum Flughafen, wo wir schnell eincheckten und nach der Sicherheitskontrolle offiziell aus Australien wieder ausreisten…ein simpler Stempel neben den Einreisestempel vom 15.7.2010 und damit war dieses Kapitel für die australischen Behörden abgeschlossen. Nun mussten wir nur noch etwa eine Stunde auf das Boarding warten und in der Zwischenzeit wurden die letzten australischen Dollars für Junkfood ausgegeben. Gegen 22:30 Uhr hoben wir dann mit Flug EK 407 in einer Boeing 777-300 vom australischen Boden ab und wer weiß, wann ich diesen das nächste Mal betreten werde…zurückkehren möchte ich auf jeden Fall!!!
Im Flugzeug genossen wir den Service von Emirates, die große Filmauswahl, das gute Essen und dank Schlafmaske und eines freien Platzes neben mir konnte ich tatsächlich einen Großteil der Flugzeit schlummern. Einem älteren Mann in der Reihe vor mir ging es allerdings nicht so gut; er klagte über Schmerzen am Herz und Unwohlsein, bekam zusätzlichen Sauerstoff und musste sich öfters übergeben…glücklicherweise war es aber anscheinend doch nichts Ernstes. Gegen 5 Uhr am Freitagmorgen landeten wir in Dubai, wo wir drei Stunden Aufenthalt hatten, die jedoch recht schnell vergingen. Dann ging es auf die letzte Etappe meines siebenmonatigen Abenteuers: den Flug von Dubai nach Frankfurt, auf dem ich ein bis zwei weitere Stunden schlief und dadurch topfit in Frankfurt landete. Dort hatte ich bereits das erste Erlebnis, das mich die freundlichen Menschen in Australien vermissen ließ. An der Passkontrolle gab ein muffeliger Bundespolizist bekannt, dass sein Computer nicht mehr funktioniere, woraufhin ein genervter Reisender nur „Oder vielleicht WILLST du einfach nur nicht arbeiten“ zu sagen hatte. Damit war ich wieder auf deutsche Verhältnisse geerdet :-) Glücklicherweise gehörten unsere Gepäckstücke zu den ersten, die über das Gepäckkarussell liefen, und die Kollegen am Zoll waren auch mit Privatgesprächen beschäftigt, sodass ich wenige Augenblicke später Mama und Papa nach sieben und Gerrit nach fünf Monaten wieder in die Arme schließen konnte…ein schönes Gefühl. Danach gab es ein ziemlich spätes Mittagessen und wenige Stunden später stand ich schon wieder in „meiner“ Turnhalle am Tischtennistisch…und es klappte erstaunlich gut dafür, dass ich monatelang nur sporadisch trainiert hatte. Danach ging es in unsere Stammkneipe und dort wurde ich von vielen bekannten Gesichtern aus dem Verein überrascht, da meine Familie eine kleine Willkommensparty für mich organisiert hatte, über die ich mich natürlich sehr gefreut habe…und bei Kölsch und Mettbrötchen wurde bis spät in die Nacht gefeiert und erzählt :-)
Am darauffolgenden Montag habe ich dann auch schon wieder meine Bude in Remagen bezogen, die ich mittlerweile auch etwas mit Erinnerungsstücken aus Australien dekoriert habe. Darüber hinaus begann direkt wieder mein Unialltag als studentische Hilfskraft am RAC, viele Freunde habe ich schon wiedergetroffen, stundenlang Bilder gezeigt und kommentiert, Karneval in Köln und Seelscheid wurde ebenso gefeiert wie die Silberhochzeit von Tante Christiane und Onkel Bernd. Damit bin ich nun also wirklich vollständig in Deutschland angekommen…mittlerweile weiß ich auch wieder, wie ich richtig über die Straße laufe und den Blinker habe ich nur einige wenige Male zu Beginn mit dem Scheibenwischer verwechselt :-)
Inzwischen hat auch mein sechstes Semester am RAC begonnen, bei der Einführungsveranstaltung für die Erstis am Montag habe ich ein wenig über meine Zeit in Australien berichtet und im Laufe des Semesters wird es bestimmt noch die ein oder andere Infoveranstaltung zum Studium an der USC geben.
Zum Schluss meines wirklich letzten Blogeintrages zu meinem Auslandssemester an der Sunshine Coast möchte ich noch einigen Menschen danken: allen voran meinen Eltern, dir mir dieses Studium ermöglicht und mich in all meinen Vorhaben unterstützt haben, meinem Bruder Gerrit, der mich immer auf dem Laufenden gehalten und sogar zwischendurch besucht und heute auch noch Geburtstag hat (Alles Gute nochmal!), meinen „neuen“ Freunden, die die Zeit in Australien unvergesslich gemacht haben, meinen „alten“ Freunden, die mich wieder freudig in Deutschland erwartet haben, Barbara von Sprachen/Internationales, die sich so sehr um meine Bewerbungen an der USC und bei Stipendiengebern bemüht hat, und allen anderen Menschen, die immer oder jedenfalls ab und zu meinen Blog gelesen haben.

Advance Australia Fair!!!

Mittwoch, 9. Februar 2011

Alice Springs...

...und die Rock Tour waren die für mich wohl letzten großen Abenteuer in Australien...aber was für ein Abschluss einer tollen Zeit! Letzten Mittwoch musste ich dann erst einmal aus dem Hostel in Melbourne auschecken, aber zum Glück konnte ich meinen großen Rucksack dort lagern und noch eine Weile vor dem Fernseher verbringen. Mittags bin ich dann nochmal bei Peter Pans ins Internet gegangen, habe mir anschließend eine weitere Ausstellung im Melbourne Museum angeschaut, von dort bin ich zur Southern Cross Station gefahren, um mich wegen der Shuttle-Busse zum Flughafen Avalon zu erkundigen, und da mein Bus um 3:55 Uhr am Donnerstagmorgen fahren sollte, musste ich noch eine kleine Ewigkeit ausharren. McDonald's konnte mir zum Glück ein Obdach bieten, aber da die Klimaanlage dort auf Hochtouren lief, war es gar nicht mal so angenehm. Wenigstens gab es einen Fernseher, auf dem ein Cricket-Spiel gezeigt wurde (das ich mittlerweile eigentlich auch verstehe und das deswegen ganz interessant war), dann wurde viel über den Zyklon in Nord-Queensland berichtet und nachts lief sogar noch „Tränen der Sonne“, sodass ich einigermaßen gut beschäftigt war. Zwischendurch bin ich aber immer mal wieder an den Yarra River gegangen und irgendwie ist der Abend dann auch halbwegs schnell herumgegangen. Nach Mitternacht bin ich dann wieder zum Busbahnhof marschiert und habe endlich „Down Under“ zu Ende gelesen, gegen 3 Uhr traf der Bus ein und nachdem alle ihre Tickets gekauft hatten und eingestiegen waren, konnte die Fahrt auch pünktlich losgehen. Seltsam war nur, dass der Busfahrer kein einziges Wort gesagt hat, zu niemandem, noch nicht einmal beim Einsteigen, aber ich saß zum Glück im richtigen Bus ;-) Der Flughafen Avalon liegt fast 45 Minuten außerhalb der Innenstadt und besteht im Prinzip nur aus einigen Containern, aber nach dem Sicherheitscheck konnte ich mir wenigstens noch eine ordentliche Zeitung kaufen und danach war ich ziemlich geschockt, was denn dort mit Yasni für ein riesiges Monstrum auf Australien zukam, zumal ich ja in den betroffenen Städten fast überall gewesen bin. Mit etwas Verspätung durfte das Flugzeug dann gegen 8 Uhr geboardet werden und  nach einem kleinen Marsch durch Kälte und Nässe auf dem Rollfeld konnte ich erfreut feststellen, dass ich eine ganze Reihe für mich allein hatte. Dadurch konnte ich mich ausbreiten und wenigstens zwei Stunden schlafen, aber den Landeanflug auf das – für mich etwas unerwartet – ziemlich grüne Alice Springs (es hatte dort im letzten Jahr anscheinend wesentlich ausgiebiger als normal geregnet)habe ich dann wieder mitbekommen. Nach der Gepäckentgegennahme wurden wir recht bald vom Hostel Haven abgeholt und nach dem Check-In dort bin ich erst einmal in die Stadt gelaufen, weil ich noch meine Teilnahme an der am nächsten Tag beginnenden dreitägigen Rock Tour bestätigen musste. Es war erschreckend, wie viele zugedröhnte Aborigines in der ganzen Stadt herumlungerten und irgendwie auch etwas beängstigend, weswegen allen Touristen auch geraten wird, nachts nicht alleine durch die Stadt zu laufen. Auf dem Rückweg habe ich noch den Ghan durch die Stadt fahren sehen und im Hostel habe ich nur noch etwas Zeitung gelesen und bin schon gegen 20 Uhr ins Bett gegangen, da wir am nächsten Morgen bereits sehr früh für die Tour abgeholt werden sollten.
Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker und um 5:50 Uhr saß ich mit einigen anderen Leuten aus dem Hostel im Bus und so konnten die anderen Hostels in Alice Springs abgeklappert werden. Im Endeffekt saß eine deutsche Caro neben mir, die mir sehr offen von ihrer Drogenkarriere erzählte und sie war nicht unbedingt die beste Sitznachbarin, die man sich vorstellen kann...dementsprechend war mir ganz recht, dass ich recht bald wieder eingeschlafen bin ;-) Gegen 12 Uhr kamen wir am Kings Canyon  an, von wo aus wir eine dreistündige Wanderung bei weit über 30°C starteten für die wie zudem ein unglaubliches Lunch-Paket bekamen: ein Brötchen, einen kleinen Apfel und einen Müsli-Riegel...es sollte nicht die letzte mickrige Mahlzeit der nächsten drei Tage gewesen sein. Der Canyon aber war sehr imposant und auf der Hälfte der Strecke badeten wir noch im sogenannten Garden of Eden, was sehr angenehm war. Nach der Wanderung traf ich auch noch Steve, meinen netten Tour-Guide von der Great Ocean Road Tour, der mit einer Gruppe von Adelaide nach Alice Springs unterwegs war. Im Anschluss ging unsere Fahrt weiter und wir mussten unter anderem tanken, was im Outback mit 2,03 AUD im Vergleich zu sonst normalen 1,30 AUD ziemlich teuer war. Feuerholz mussten wir auch noch sammeln, wir sahen etliche Kamele an der Straße und an einer großen Rinderfarm deckten wir uns für die nächsten Tage mit Bier ein (67 AUD pro Kiste statt sonst schon viel zu teuren 45 AUD). Dort gab es auch die letzte Toilette bis zum nächsten Morgen, da wir wenig später in unserem Camp ankamen, das im Prinzip nur eine größere offene Sandfläche war. Dort wurde zunächst ein Feuer gemacht und gekocht und danach wurden die sogenannten Swags ausgerollte, in die man später mit seinem Schlafsack kroch. Das ganze war nicht gerade gemütlich, aber was sich uns für ein Sternenhimmel bot, ist einfach unbeschreiblich...so etwas habe ich wirklich noch nicht gesehen...Millionen von Sternen, fast jede Minute eine Sternschnuppe, die Milchstraße...all das sah man so deutlich. Dementsprechend war ich immer wieder überwältigt, wenn ich nachts aufgewacht bin, was zudem relativ häufig passierte, da sich einige Ameisen in meinen Swag verirrten :-)
Am nächsten Morgen wurden wir schon wieder um 5:30 Uhr geweckt, zur Belohnung gab's eine Packung Cornflakes für 20 Personen (allerdings für zwei Tage gedacht...) und etwas Toast und nach dieser „Stärkung“ mussten wir das Camp wieder aufräumen und fuhren anschließend ins Uluru Resort, in dem wir die nächste Nacht verbringen sollten und wo wir wieder Zugang zu Toiletten und auch Duschen hatten. Von dort steuerten wir als nächstes das Valley of the Winds bei den Kata Tjutas an, die vor Millionen Jahren ähnlich wie Uluru entstanden sind. Dort machten wir wieder eine knapp dreistündige Wanderung und danach gab es einen Wrap pro Person im Basislager...erneut lächerlich. Wenigstens konnten wir nach dem Essen noch im Pool relaxen bevor wir zum Cultural Center fuhren, in dem die Geschichte der Ureinwohner behandelt wird und auch Briefe und Pakete von Leuten zu sehen sind, die Steine und Sand aus dem Nationalpark als Souvenir mitgenommen hatten und sich seitdem verflucht fühlten. Währenddessen regnete es draußen heftigst, aber wenig später strahlte schon wieder die Sonne und wir besichtigten den ersten Teil von Uluru aus der Nähe, wo es schon einige Höhlen, Spuren von Wasserfällen und jahrtausendealte Malereien zu bestaunen gab. Im Anschluss fuhren wir zu einem Parkplatz, von dem aus der Sonnenuntergang zusammen mit hunderten anderen Touristen bestaunt wurde...jedoch war es wieder etwas bewölkt und am Ende zog ein Sturm auf, der wohl zu den Ausläufern von Zyklon Yasni gehörte. Dementsprechend flohen alle Gruppen in ihre Camps, wo wir dann aber im Laufe des Abends bei lustigen Spielen, wie z.B. Swag-Sumo noch unseren Spaß hatten...obwohl das gekochte Essen nicht für alle gereicht hatte...unvorstellbar. Wir hatten auch einige unschöne Mitbewohner im Camp, unter anderem eine tödliche Redback-Spinne, die ihre Eier unter dem Dach beschützte, ein Tausendfüßler und natürlich unzählige Kakerlaken und Heuschrecken. Trotzdem wurde wieder im Freien übernachtet (bis auf die Israelin, die gerade ihre zweijährige Armeezeit hinter sich gebracht hatte :-) und da es die ganze Nacht über ziemlich windete, hatte ich am nächsten Morgen einige Probleme, den ganzen roten Sand aus den Haaren, Ohren und der Nase zu bekommen.
Da ich aber etwas früher aufgewacht war, konnte ich noch duschen bevor wir zum Sonnenaufgang am gleichen Aussichtspunkt wie am Vorabend fuhren. Dort war es aber so etwas von kalt, es stürmte immer noch und die Sonne war auch von einer dichten Wolkendecke verhangen, weswegen das frühe Aufstehen ziemlich umsonst gewesen war. Stattdessen liefen wir aber noch die 10km um Uluru herum, wobei man sehr häufig keine Fotos machen durfte, da es sich um heilige Stätten der Aborigines handelte. Nach dem Walk machten wir uns auf den sechsstündigen Rückweg mit Ziel Alice Springs, auf dem es in Strömen begann zu regnen und da die Australier ihre Straßen relativ dumm gebaut haben, mussten wir immer wieder über überflutete Streckenabschnitte fahren. Wir hielten auch noch an einer Kamelfarm, aber wegen der Nässe durfte nicht auf den Kamelen geritten werden, da sie ja sonst ausrutschen könnten. Gegen 17:30 Uhr traf ich endlich in der Alice Lodge ein, die etwas schöner als das Haven vor der Tour war und abends traf sich unsere Gruppe noch einmal in der Rockbar...und um 4 Uhr war ich wieder in meinem Bett, nachdem wir noch das Kasino unsicher gemacht hatten, da es der einzige Laden war, der auch noch nach Mitternacht offen hatte ;-)
Deswegen habe ich am Montag auch den Superbowl verpasst, worüber ich mich ziemlich geärgert habe und auch sonst passierte am Montag nicht viel. Aber am Pool war es sehr nett und ich konnte noch einmal die australische Sonne tanken.
Gestern habe ich mit Nathalie aus der Schweiz noch etwas Alice Springs besichtigt, wir waren auf dem ANZAC Hill, Pizza essen, Digeridoo spielen und um 17 Uhr fuhr uns der Shuttle-Bus vom Hostel zum Flughafen, an dem ich Anika und Viola von der USC traf. Mit deren Maschine bin ich dann auch wieder zurück nach Melbourne geflogen, wo wir gegen 23 Uhr ankamen und da ich für diese Nacht kein Hostel mehr gebucht hatte, habe ich mir die Nacht am Flughafen und in der Stadt um die Ohren gehauen und bin mit der ersten Tram gegen 6 Uhr nach St. Kilda zum Hostel gefahren, in dem ich allerdings erst gegen 12 Uhr auf mein Zimmer konnte. Da ich mich noch nicht hinlegen wollte, bin ich wenig später auch schon wieder in die Stadt gefahren, um noch einmal das Großstadtfeeling in mich aufzusaugen und die letzten Souvenirs zu kaufen. Zum Glück verteilten sie am Federation Square heute Energydrinks, da ich sonst wahrscheinlich schon lange eingeschlafen wäre. Danach war ich noch einmal in St. Kilda und mittlerweile ist es schon wieder 17 Uhr und ich bin schon seit 33 Stunden ohne Schlaf...und das wird sich wahrscheinlich in den nächsten drei bis vier Stunden auch nicht mehr ändern, aber dann werde ich um so bessern schlafen können heute Nacht. Die Rucksäcke sind im Prinzip auch schon gepackt, sodass morgen kein all zu großer Stress mehr aufkommen sollte. Und damit geht in wenigen Stunden das wahrscheinlich spannendste Kapitel meines bisherigen Lebens zu Ende. Alles begann im Juli des vergangenen Jahres mit dem Abflug von Frankfurt über Dubai und Singapur nach Brisbane, es folgten viereinhalb anstrengende aber auch sehr schöne Monate an der University of the Sunshine Coast und weitere zweieinhalb unvergessliche Monate auf Achse, in denen ich alle Staaten des australischen Festlandes bereist und unglaublich viele tolle Dinge erlebt habe. Und morgen Abend setze ich mich in Melbourne wieder in eine Emirates-Maschine und komme nach Plan am Freitag um 12:45 Uhr in Frankfurt an. Wie wird es wohl sein, wieder ins kalte Deutschland zu kommen? Was wird sich verändert haben? Werde ich einen reverse-culture-clash erleben? Wir werden sehen :-) Jedenfalls freue ich mich sehr auf mein Zuhause, auf Mama, Papa und Gerrit, auf ein wieder etwas unkomplizierteres Leben, auf mein Bett, darauf, dass ich am Freitagabend wieder meine Tischtennisschuhe schnüren und abends am Berg mein erstes Kölsch seit sieben Monaten trinken kann (auch wenn es von Sion sein wird...:-) Vielleicht sieht man sich ja dort...und am Montag übernehme ich schon wieder meine Wohnung in Remagen...und dann kehrt wahrscheinlich bald wieder der deutsche Alltag ein...möge ich trotzdem diese Zeit niemals vergessen, aber genau dafür habe ich ja auch diesen Blog geschrieben und er hat euch hoffentlich gefallen...mit eurer Kommentarleistung war ich zwar nicht zufrieden, aber noch ist dieser Blog ja nicht abgeschlossen :-P Der Vollständigkeit wegen werde ich natürlich noch über meine letzten beiden Tage und die Ankunft in Deutschland berichten und dann bin ich von der Schreibarbeit erlöst. Ich freue mich nämlich schon sehr darauf, mit euch persönlich über meine Erfahrungen zu sprechen. Und spart euch bitte die Frage: „Wie war's?“ Ich denke, dass das nämlich ersichtlich geworden ist...es war AWESOME!!!
Ein letzter besonders herzlicher Gruß aus Australien!
Euer Roman

Dienstag, 1. Februar 2011

Melbourne...

...ist die Sporthauptstadt Australiens und hat mir allein deshalb natürlich schon gefallen. Aber auch sonst habe ich in der vergangenen Woche wieder einiges erlebt, beginnend mit den Feierlichkeiten für den Australia Day am Mittwoch, den 26. Januar, an dem James Cook's Ankunft in Australien im Jahre 1788 gefeiert wird (die Aborigines bezeichnen diesen Tag übrigens weniger positiv als Invasion Day). Deswegen war ab dem frühen Morgen überall in der Stadt etwas los und wir traten den Feierlichkeiten gegen 10:30 Uhr an der Town Hall bei, wo die Stadtväter ihre Reden hielten, die Flagge gehisst und dabei die Nationalhymne mit allen Strophen gesungen wurde. Im Anschluss gab es die sogenannte People's Parade, bei der verschiedene Bevölkerungsgruppen von Melbourne (also z.B. Griechen, Thailänder, Libanesen usw.) wie bei einem Karnevalszug angeführt von den unterschiedlichen australischen Militärgruppen zum Kings Domain Park marschierten (leider aber ohne Kamelle). Dort gab es dann etliche Stände von Vereinen, die Feuerwehr war da, unzählige Oldtimer wurden ausgestellt, aber so spannend war es dann doch wieder nicht für uns, weswegen wir bald den Rückweg zum Hostel antraten. Von dort habe ich mich dann auf die Suche nach einem Supermarkt gemacht, habe jedoch eine falsche Wegbeschreibung bekommen und bin deswegen lange in die falsche Richtung gegangen, wobei ich dadurch wenigstens noch etwas von der Flugshow über Melbourne mitbekommen habe und gesehen habe, wie die meisten Australier ihren Nationalfeiertag begehen: nämlich mit BBQ im Park, viel Alkohol aus ihren blauen Kühlboxen und dazwischen wurde immer wieder Cricket oder Aussie Football gespielt. Irgendwann habe ich dann die Tram in die andere Richtung genommen und Coles endlich gefunden, womit das verspätete Mittagessen gerettet war. Am Abend sind wir dann wieder zum Federation Square in der Innnenstadt gefahren, wo wir ein eher langweiliges Feuerwerk zu sehen bekamen, aber immerhin rundete es den Australia Day 2011 für uns ab.
Nach dem schon üblichen Pancake-Frühstück haben wir uns in den kostenlosen Touristen-Shuttelbus gesetzt, der in 90 Minuten ziemlich langsam kreuz und quer durch Melbourne fährt und dabei über die Lautsprecher einige wenige Informationen über die passierten Gebäude wiedergibt. Am riesigen Queen Victoria Market sind wir dann aber ausgestiegen, um uns die unglaubliche Auswahl an Produkten aus nächster Nähe anzugucken. Dort habe ich mich dann aber auch von Fabi und Bina getrennt und bin mit der Tram zur Harbour Town gefahren, in der es ein größeres Einkaufszentrum und ein Wintertrainingszentrum des australischen olympischen Komitees gibt...ich habe meinen Augen auch kaum glauben können, aber dort haben sie tatsächlich Eishockey gespielt :-) Von dort bin ich dann entlang des Hafens zum Etihad Stadium gelaufen, in das ich aber nur einen kleinen Blick werfen konnte, und als nächstes peilte ich das Police Museum of Victoria an, das im World Trade Center von Melbourne untergebracht ist. Dieses war allerdings nicht so groß, sodass ich auch noch die empfehlenswerte Ausstellung im Immigration Museum mitnehmen konnte. Da dieses um 17 Uhr schloss, bin ich dann noch zum Federation Square gepilgert und habe mir dort mit tausenden anderen Leuten das zweite Frauen-Halbfinale auf der Großbildleinwand unter der australischen Sonne angeschaut...herrlich. Danach machte ich mich aber wieder auf den Weg zum Hostel und zufälligerweise standen meine beiden Kollegen aus Remagen genau in derselben Tram ;-) Nach dem Abendessen wurde dann nur noch Federer's Niederlage geschaut und dann war auch schon wieder Schicht im Schacht.
Am Freitag habe ich eine erste Streckenbegehung im Albert Park gemacht, in dem Ende März das erste Formel 1 Renner der Saison 2011 stattfinden wird und ich kann nur sagen, dass die Organisatoren noch viel Arbeit vor sich haben. Die Streckenführung ist zwar grob zu erkennen, aber ansonsten erinnert dort noch nicht viel an ein Rennspektakel. Es gibt z.B. nur eine festinstallierte Tribüne bisher, die anderen werden anscheinend nur temporär aufgebaut, überall sind Verkehrsinseln und Parkscheinautomaten auf der Strecke, nur an wenigen Passagen gibt es schönen neuen Asphalt, auf dem auch Linien zu erkennen sind, die Boxengasse wird gerade neu asphaltiert und ich könnte ewig so weitermachen. Vor meinem Abflug werde ich mir das Ganze noch einmal angucken und gegebenenfalls die FIA informieren, dass die Aussies es mal wieder etwas zu gemächlich angehen lassen ;-) Von dort habe ich dann die Tram in Richtung Stadtzentrum genommen und den Shrine of Remembrance, das Observatorium und den botanischen Garten besichtigt. Dann war es wieder Zeit für eine lunch break im Hostel und von dort sind Fabi und ich zum Melbourne Cricket Ground gefahren, in dem wir uns zunächst das Australian Sport Museum und danach das Twenty-Twenty Cricket Match zwischen Victoria und South Australia angeschaut haben, das nicht wirklich spannend, aber mal wieder eine interessante Erfahrung war. Im Laufe des Spiels haben wir wenigstens auch die meisten Regeln, Strategien und die Zahlen auf der Anzeigetafel verstanden und dementsprechend war das Eintrittsgeld gut investiert. Leider war der MCG nur zu ungefähr einem Achtel gefüllt – mit 13600 Zuschauern – wenn das Stadion mit 100000 Leuten beim AFL Grand Final ausverkauft ist, muss dort eine unfassbare Stimmung herrschen und später wurde es auch noch ganz schön frisch im Stadion, weswegen sich die Spieler auf dem Feld ganz gerne in der Nähe der Pyrotechnik aufhielten :-)
Am Samstagvormittag wärmte dann aber wieder die australische Sommersonne und ich bin mit der Tram zum Federation Square gefahren, um mir dort die Ausstellung im Australian Center of the Moving Image anzuschauen, in der die Entwicklung von den ersten bewegten Bildern bis zu den neuen Medien und Videospielen sehr interessant präsentiert wurde. Anschließend habe ich noch einen kurzen Blick in die St. Paul's Cathedral geworfen, bin von dort zum chinesischen Viertel gelaufen, danach durchs griechische Viertel zurück zur Swanston Street, habe mich mit zwei Sushi-Rollen in die Flagstaff Gardens gesetzt und anschließend noch einen größeren Souvenirshop besucht, der aber auch nicht das im Sortiment hatte, wonach ich auf der Suche war. Nach der Ankunft im Hostel habe ich endlich nochmal meine Laufschuhe geschnürt und bin eine Runde durch den Albert Park gelaufen, danach wurde gekocht und das Frauen-Finale geguckt und das war dann Tag 199 seit meinem Abflug am 15. Juli 2010.
Am 200sten Jubiläumstag holte die Sonne mal alles aus sich heraus, was sie zu bieten hatte: 40°C zeigten die Thermometer und deswegen habe ich mich nach dem Frühstück mal ganz schnell zum Strand in St. Kilda begeben, wo zum Glück eine leichte Brise wehte und das Wasser sehr angenehm war. Nach einigen Stunden wurde es mir dann aber doch zu heiß und deswegen bin ich nach einem kurzen Zwischenstopp im Hostel ins wohl temperierte Melbourne Museum gefahren, das mit meiner Australian Student ID zum Glück kostenlos war. Als es um 17 Uhr schloss, habe ich mich wieder auf den Rückweg begeben und wenig später begann ja auch schon das Herren-Finale, von dem ich zunächst den ersten Satz im Hostel gesehen, danach mit Mama und Gerrit geskypt und wenn Andy einen Satz gewonnen hätte, hätte ich mich auch noch zum Federation Square begeben, um mit Tausenden anderen Tennisfans zusammen den Höhepunkt eines spannenden Turniers zu verfolgen, aber leider war das Spiel ja etwas schneller vorbei als erwartet.
Den Montag hatte ich als Shoppingtag eingeplant, da sich in und um Melbourne herum drei Outletcenter befinden und ich nach Monaten in den gleichen T-Shirts nochmal etwas Abwechslung an den Körper bringen wollte. Außerdem fliege ich ja bald nach Hause und bei Emirates darf ich zum Glück mehr Gepäck mitnehmen als bei den Inlandsflügen hier, aber obwohl ich den ganzen Tag unterwegs war, wird mein Rucksack nur unwesentlich schwerer als bisher sein. Ich hatte wirklich etwas mehr von den Outlets erwartet und deswegen bin ich auch noch durch das Einkaufsviertel im CBD gelaufen, aber dort wird man einfach nur von horrenden Preisen geschockt. Naja, dafür war es wieder warm und ich habe einige weitere Ecken von Melbourne gesehen.
Heute vormittag habe ich mich mit Annika von der USC am Strand in St. Kilda getroffen, wo ein dermaßen warmer und starker Wind wehte, dass kaum jemand am Strand an sich, sondern auf den etwas weiter entfernten Wiesen lag. Danach habe ich noch etwas eingekauft, war noch einmal in der Stadt, habe meine Transfers von Melbourne zum Flughafen Avalon und vom Flughafen in Alice Springs zum Hostel organisiert und mit Matt von der USC telefoniert, weil man mir eine böse Email geschickt hatte, dass ich meinen Koffer nicht in den Wohnzimmern von anderen Leuten in UniCentral lagern dürfte...aber auch das ist jetzt geklärt :-)
Morgen werde ich dann dieses Hostel für eine Woche verlassen und bis 3:55 Uhr am Donnerstagmorgen die Zeit rumschlagen, weil dann erst der erste Shuttlebus nach Avalon fährt. Von dort werde ich um 7:30 Uhr nach Alice Springs fliegen und damit naht das letzte große Abenteuer in Australien inklusive einer dreitägigen Tour durch die Wüste mit Nächten unter freiem Sternenhimmel...und etlichen Kleintieren um uns herum, die uns problemlos im Schlaf umbringen könnten...ich hoffe mal, dass sie an den Tagen was anderes vorhaben ;-) Außerdem ist etwas ungewöhnliches Wetter für die Wüste angesagt...es soll stürmen und regnen. Hoffentlich fällt die Tour nicht ins Wasser, denn den Uluru wollte ich schon noch gesehen haben bevor ich wieder nach Hause fliege...und das in ganz schön absehbarer Zeit. Mittlerweile braucht man sogar nur noch zwei Hände zum Runterzählen: neun Tage habe ich noch in Australien und in zehn Tagen bin ich wieder zuhause. Die Vorfreude wird immer größer, obwohl ich auch etwas aufgeregt bin, ob ich mich denn problemlos wieder an das Leben in Deutschland gewöhnen werde. Jetzt heißt es aber erst einmal „Red Centre, ich komme!“ und nächste Woche kann ich mich dann ernsthaft mit Abschiedsschmerz auseinandersetzen :-)

Liebe Grüße aus Melbourne!

Euer Roman

Dienstag, 25. Januar 2011

The Great Ocean Road...

...hätte ich fast verpasst, wenn ich nicht doch noch zufällig aufgewacht wäre. Um 6:45 Uhr sollte ich nämlich am Hostel abgeholt werden, auf 5:45 Uhr hatte ich meinen Wecker gestellt und um 6:22 Uhr habe ich mit Entsetzen auf mein Handy geschaut, aber zum Glück habe ich doch noch alles in 23 Minuten geschafft. Der Bus wurde von dem sehr lustigen Australier Steve gelenkt, dessen Lieblingsaussagen „brilliant“, „you did a great piece of work“ und „God bless you/him/her“ waren...zum Glück haben wir daraus kein Trinkspiel gemacht ;-) Zunächst wurden wie üblich die Hostels in Adelaide abgeklappert, bevor der mit 21 Leuten vollbesetzte Bus seine Reise nach Melbourne antreten konnte. Wir hatten sogar Prominenz an Bord, denn die Miss Schweiz von 2008  , Whitney Toyloy, war mit einer Freundin dabei...Glamourfaktor hat dies unserer Reise jedoch nicht beschert :-) Zu Beginn ging es durch die hübsche Landschaft der Adelaide Hills, aber recht früh bin ich schon wieder eingeschlafen, da es dann nach so langer Zeit in Australien doch nicht mehr so spektakulär war. Irgendwann mussten wir mit der Fähre über den Murray River, den längsten Fluss Australiens, übersetzen, später kamen wir noch an einer Strandautobahn und am Big Lobster (der sich nahtlos in die Liste mit Big Pineapple, Big Mango, Big Bundaberg Bottle einreihte) vorbei und dann machten wir einen kurzen Stopp, während dem Steve Zutaten für Wraps und Sandwiches einkaufte, welche wir kurz danach in einem am Strand gelegenen Park zu uns nahmen. Unser nächstes größeres Ziel war der Blue Lake, ein 70m tiefer See im Krater eines erloschenen Vulkans, dessen markante Blaufärbung durch die vorhandenen Mineralien hervorgerufen wird, und dann erreichten wir auch schon unser Hostel für die erste Nacht in Mount Gambier, das sehr cool war, da es ein umfunktioniertes ehemaliges Gefängnis war, das aber immer noch von hohen Mauern mit Stacheldraht umgeben und auch im Inneren noch deutlich als Gefängnis zu erkennen war. Zum Dinner gab es ein umfangreiches BBQ und natürlich wurde auch im Gefängnis nicht auf die Nightsession aus Melbourne verzichtet ;-)
Nach dem Frühstück am nächsten Morgen mussten wir erst einmal unseren Bus anschieben, da er sonst nicht angesprungen wäre, und nach einigen Kilometern kamen wir endlich an die wunderbare schraffe Küste von South Australia, wo wir hielten und unterhalb der Klippen auch Seelöwen aus dem Wasser springen sehen konnten. Im Hafen, der direkt neben dem Park lag, in dem wir unsere Mittagspause machten, schwamm sogar ein großer Stachelrochen herum, den ich in dieser Umgebung niemals erwartet hatte. Nach der Pause verbrachten wir wieder einige Stunden im Bus, die ich nutzte, um viel in „Down Under“ zu lesen, einem Buch, das Gerrit mir vor meinem Abflug geschenkt hatte und das einen humorvollen Reisebericht eines amerikanischen Schriftstellers von seiner Zeit in Australien beinhaltet. Ich bin froh, dass ich es erst jetzt lese, da ich nun schon so viele Sachen erlebt habe, von denen der Autor berichtet und es mich so auch wieder an die vielen Flecken erinnert, an denen ich schon gewesen bin...in jedem Fall ist es sehr empfehlenswert und bestimmt auch auf Deutsch erhältlich. Dann erreichten wir irgendwann auch endlich die eigentlich Great Ocean Road, die nach dem Ersten Weltkrieg von der Royal Australian Army angelegt worden war und nun ein absolutes Touristenhighlight ist, weswegen auch sehr viele Schilder daran erinnern: „We drive left in Australia“ :-) Unser erstes Highlight an der Great Ocean Road war die London Bridge, die im Prinzip keine Brücke mehr ist, da ein Teil davon vor einigen Jahren eingestürzt ist, wozu uns Steve natürlich wieder eine lustige – aber wahre Geschichte – zu erzählen hatte, die ich kurz zusammenfassen möchte: Mann sagt seiner Frau, dass er auf Geschäftsreise nach Sydney muss...stattdessen fährt er mit seiner geliebten Sekretärin zur London Bridge und beide laufen auf die andere Seite der Brücke...Brücke stürzt ein...die nächsten Touristen können die Polizei informieren...alle TV-Sender kommen mit Hubschraubern und berichten live...am nächsten Tag ist es in allen Medien zu sehen...“God bless them“ :-) Danach fuhren wir zum unweit entfernten Hostel, checkten ein und machten uns dann wieder auf den Weg zu den weltberühmten 12 Aposteln, um den Sonnenuntergang zu sehen, der allerdings hinter vielen Wolken ohne uns stattfand...trotzdem war es unglaublich schön. Vor einiger Zeit ist auch einer der Apostel eingestürzt, was nur von einem 7-jährigen Mädchen beobachtet wurde, weil die Eltern lieber im Auto warten wollten, da sie sich nicht schon wieder ein paar Felsen im Meer ansehen wollten...sie werden sich im Nachhinein geärgert haben :-) Herr Wawrinka qualifizierte sich danach übrigens noch für das Viertelfinale, was für diesen Bericht noch von Bedeutung sein wird...
Am nächsten Morgen zeigte sich die Great Ocean Road von ihren kühlen und rauen Seite, die tausende Seefahrer in der Vergangenheit schon das Leben und etliche Kapitäne ihre Schiffe gekostet hat. Ein Schiffswrack sollten wir eigentlich von einem Aussichtspunkt sehen, aber dann war es doch nicht sichtbar...auch nicht so schlimm, denn wir wollten nur wieder in den warmen und trockenen Bus. Bei gefühlten Minusgraden, ok, sagen wir 18°C, liefen wir noch eine kleine Runde durch einen Regenwald und dann stand schon wieder Mittagspause auf dem Programm – diesmal in Apollo Bay, einer eigentlich nicht erwähnenswerten Kleinstadt am Pazifik. Aber wen treffe ich dort? Fabienne und Alex, die ich seit der ersten Nacht am Flughafen in Brisbane kenne und die ebenfalls an der USC studiert haben – und sie machten zufälligerweise auch Halt in Apollo Bay auf ihrem Weg nach Melbourne :-) Das Wetter besserte sich glücklicherweise stetig und am Nachmittag haben wir noch etliche Koalas in freier Wildbahn in einem Eukalyptuswald am Meer gesehen...schon cool, dass diese putzigen Tiere dort einfach überall in den Bäumen hängen. Danach ging unsere Tour weiter entlang der schönen Küste, wir passierten das Denkmal für die Erbauer der Great Ocean Road und zwei Stunden später  standen wir schon im Herzen von Melbourne, wo ich zusammen mit einer Schweizerin den Bus verlassen habe, um mit der Tram nach St. Kilda (südlich des Albert Parks) zu fahren, wo sich unsere Hostels befanden. Wir sind erst einmal schwarz gefahren und ein nettes Ehepaar hat mir glücklicherweise die richtige Haltestelle gezeigt, von der ich nur noch wenige Meter bis zum Hostel laufen musste. Im Hostel habe ich dann Bina und Fabi wiedergetroffen, die schon am Morgen nach ihrem Flug aus Darwin eingecheckt hatten. Wir mussten uns natürlich erst einmal über  die vergangenen drei Wochen austauschen, dann wurde etwas eingekauft, die geschossenen Fotos auf Fabi's Festplatte gesichert und der Spielplan für den nächsten Tag bei den Australian Open gecheckt...und danach konnte ich kaum schlafen vor Aufregung :-)
Irgendwie hat es dann doch noch funktioniert, zum Frühstück serviert das Hostel jeden Morgen Pancakes und nach der Stärkung machten Fabi und ich uns heute auf den Weg zum Melbourne Olympic Park, in dem auch die Rod Laver Arena und damit die Australian Open ihr Zuhause haben. Für die heutige Daysession hatten wir nämlich schon im Oktober Tickets gebucht und wir hatten richtig spekuliert, denn wir sollten drei richtige Top-Spiele zu sehen bekommen...zumindest auf dem Papier. Als erstes spielte die letzte im Turnier verbliebene Deutsche Andrea Petkovic, die jedoch vor Aufregung angeblich nicht schlafen konnte und deswegen sang und klanglos gegen die Chinesin Li Na eingegangen ist. Im Anschluss gab es ein Schweizer Derby zwischen Roger Federer und Stanislaw Wawrinka, das jedoch zu sehr vom Vorjahressieger dominiert wurde und dementsprechend etwas unter mangelnder Spannung litt. Trotzdem kann ich hinter Federer auf der Liste der Sportler, die ich einmal live gesehen haben möchte, einen Haken machen...Tiger Woods, Dirk Nowitzki und co. dürften etwas schwieriger werden ;-) Nach diesem eigentlichen Topspiel leerte sich die Arena ein wenig, obwohl danach die bildschöne Weltranglistenerste Caroline Wozniacki gegen das Biest aus Italien, Herr oder Frau Schiavone, spielte und die beiden das spannendste von drei Spielen in dieser Daysession boten, das die Dänin am Ende verdient gewann. Danach machten wir noch einige Fotos und traten den Rückweg zum Hostel an, wo wir uns noch die übliche Cheap Tuesday Pizza bei Domino's gönnten, die aber anscheinend auch nur in Melbourne dienstags nicht billig sonder normal bepreist ist, was wir jedoch erst bei der Abholung erfuhren. Dementsprechend sparten wir uns das Geld danach für die Party, auf die viele Hostelleute gingen, aber morgen ist ja Australia Day und dann sollte einiges in der Stadt los sein. Ich werde euch auf dem Laufenden halten :-)

Und noch das übliche Rechenspiel zum Schluss: In 16 Tagen meiner Zeit sitze ich schon im Flugzeug nach Hause und in 17 Tagen eurer Zeit werde ich schon in Frankfurt gelandet sein...der Wahnsinn!!!

Bis bald

Euer Roman

Freitag, 21. Januar 2011

Adelaide...

...bot doch mehr Attraktionen, als ich zunächst gedacht hatte. Es war wirklich eine tolle und entspannte Woche, woran auch das prima Klima hier unten in South Australia ihren Anteil hatte.
Am Samstag bin ich dann erst einmal durch die Stadt spaziert, um mich grob orientieren zu können. Beim Schützenfest standen so viele Menschen an, was neben den horrenden Preisen ein weiterer Grund war, nicht hinzugehen, aber dafür sah ich den ersten Flaschensammler in Australien. So was ist man ja sonst nur von großen Veranstaltungen in Deutschland gewohnt, aber South Australia ist wohl der grünste Staat Australiens, da es hier auch Pfand auf Dosen und Flaschen gibt und in den Supermärkten bekommt man nicht alles in kostenlose Plastiktüten gepackt, sondern man muss umweltfreundliche Tüten kostenpflichtig erwerben...das musste jetzt mal erzählt werden :-) Ansonsten lief ich einfach etwas durch die Stadt, wurde von einem Spürhund der Polizei beschnüffelt, und wieder zurück zum Hostel, wo es nach langer Zeit nochmal einen gesunden Salat mit Kängurufleisch oben drauf gab...lecker!!!
Der Sonntagmorgen begann mit der frohen Botschaft über unseren wichtigen Sieg gegen Friesdorf bevor ich im Reisebüro meinen Trip entlang der Great Ocean Road nach Melbourne gebucht habe. Danach bin ich mit dem Bus eine Runde durch die Stadt gefahren und danach etwas durch die Fußgängerzone zur Rundle Street Mall geschlendert, wo ich zufälligerweise Ida aus Dänemark, die ich an der USC kennengelernt hatte, getroffen habe, zumal ich sie am Vortag schon einmal zu sehen geglaubt hatte. Anschließend bin ich wieder zurück zum Hostel und habe im Park nebenan für ein paar Minuten ein paar Aufführungen irgendeines indischen Guru Festivals zugesehen, was aber alles etwas seltsam war. Später am Nachmittag bin ich dann mit einem anderen Deutschen aus dem Hostel zurück zum Rymill Park marschiert, wo die Teams für die am Montag gestartete Tour Down Under vorgestellt wurden, bei der auch einige bekannte Namen vertreten sind, insbesondere natürlich Lance Armstrong bei dem letzten Radrennen seiner Karriere außerhalb der USA. Nach der Präsentation wurde auch noch ein Benefizrennen mit 30 Runden um den Park ausgetragen, das wirklich viele Zuschauer an die Strecke lockte.
Am Montag bin ich am späten Vormittag mit dem Ziel Museum of South Australia über die North Terrace gelaufen, wo ich zufälligerweise David aus der Schweiz, der im selben Hostel wie wir in Sydney gewohnt hatte, getroffen habe...so klein ist die Welt sagt man da wohl. Nachdem wir uns über unsere Erlebnisse seit Anfang Januar ausgetauscht hatten, bin ich dann doch noch ins Museum gekommen, das mich wegen der vielen ausgestopften Tiere sehr ans Museum König in Bonn erinnerte. Das war es dann auch schon wieder mit Kultur für diesen Tag, denn schließlich haben in Melbourne die Australian Open begonnen, sodass ich mir im Hostel einige Spiele angeschaut habe, bevor ich am Abend zum German Club gegangen bin, da dort montags immer Tischtennistraining im „Friedrich Jahn Gymnasium“ stattfindet. Leider konnte man mir keinen halbwegs vernünftigen Schläger stellen, weswegen das Training nicht wirklich sinnvoll war, aber wenigstens waren die Leute ganz nett und im Anschluss gab's nach über sechs Monaten nochmal ein Erdinger Weizen vom Fass...für 10AUD. Da kann man sich nur wieder auf Deutschland freuen :-)
Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Radtour vorgenommen, da man ihr in Adelaide Fahrräder für umsonst in acht verschiedenen Läden ausleihen kann. Ich habe mich für ein sportliches Mountainbike entschieden, das mich bei der ersten Bremsung fast über den Lenker geworfen hätte, da die Bremshebel vertauscht im Vergleich zu meinem Fahrrad in Deutschland waren und die Bremsen an sich auch besser funktionierten :-) Nach dem ersten Schreckmoment bin ich dann einfach drauf los gefahren, war am alten Gefängnis von Adelaide, bin entlang des War Memorial Drives um North Adelaide gefahren (ich habe allerdings kein War Memorial auf dem Weg gesehen...) bis ich am Adelaide Oval, dem Cricketstadion, ankam. Dort habe ich mir eine Ausstellung über den besten Cricketspieler aller Zeiten, Sir Don Bradman, angeguckt und nachher im Stadion noch das Training einer Mannschaft, wobei ich sehr interessant fand, wie und was für Cricket trainiert wird. Anschließend bin ich am Zoo und durch den botanischen Garten geradelt bis ich schließlich die Rennstrecke von Adelaide erreichte, die man sogar teilweise befahren konnte. Anscheinend habe ich mir dort etwas ins Hinterrad gefahren, da ich dort auf einmal feststellen musste, dass dieses total platt war. Um die Felge nicht vollständig zu zerstören, habe ich dann netterweise geschoben, obwohl der Fahrradladen am völlig anderen Ende der Stadt lag...aber wer sein Fahrrad liebt, der schiebt nun mal. Gegen 15 Uhr war ich dann völlig verschwitzt wieder im Hostel und dort liefen natürlich wieder die Australian Open im Fernsehen...und hier kann man sich sogar mit der Fernbedienung aussuchen, welches Spiel auf welchem Platz man sich denn gerade angucken möchte ;-)
Für Mittwoch hatte ich mir eine Weintour ins Barossa Valley gebucht, dem ältesten Weinanbaugebiet Australiens, das etwa eine Stunde mit dem Bus nördlich von Adelaide gelegen ist. Um 8 Uhr wurde ich mit etwas Verspätung abgeholt, danach wurden noch etliche andere Hostels abgeklappert, und als unser Bus endlich voll war, konnte der Ausflug mit einer bunt gemischten Truppe beginnen. Zunächst wurde noch an einem großen Schaukelpferd (warum auch immer) und einem Staudamm gehalten, an dessen Staumauer man sich problemlos über die gesamte Breite hinweg unterhalten kann, weswegen sie auch die Whispering Wall genannt wird. Im Anschluss ging es dann zum ersten Weingut, Jabob's Creek, das vielleicht jetzt durch die Australian Open eher bekannt sein dürfte, da es dort Hauptsponsor ist. Uns wurde etwas über die Geschichte des Weinguts (mit deutschen Wurzeln) erzählt und dann durften wir die ersten fünf Weine des Tages probieren. Alles ging etwas hektisch zu, aber unser Gruppenprofil versprach auch nicht unbedingt nachher den Laden leer zu kaufen. Es folgten noch drei weitere Weingüter mit Weinproben, jeweils mit kleinen Führungen verbunden, ein umfangreiches BBQ als Lunch und alles in allem hat sich die Tour auf jeden Fall gelohnt. Insbesondere die Weine 5, 17, 18 und 19 von 21 probierten Weinen kann ich sehr empfehlen, auch wenn ich nicht mehr weiß, wie sie geheißen haben :-) Aber Spaß gemacht hat es auf jeden Fall, das Wetter war perfekt und gegen 17 Uhr wurde ich wieder vor meinem Hostel abgeladen, womit ein weiterer Tag im sonst eher unspektakulären Adelaide hinter sich gebracht worden war. Es folgten die übrigen Stunden mit den Australian Open, auch wenn diesmal ein älterer Herr heftigen Widerstand bot, da er Oprah bei ihrer Reise durch Australien zugucken wollte...
Am Donnerstagmorgen habe ich zum ersten Mal seit Heiligabend in Sydney wieder die Laufschuhe geschnürt und bin durch die Parkanlagen zwischen North Adelaide und dem CBD (Central Business District) gejoggt. Eine wunderbare Strecke und die Sehne im linken Fuß hat auch gehalten...das wollte ich primär eigentlich auch nur austesten. Später am Vormittag war ich dann noch etwas in der Stadt einkaufen, bevor ich mich auf den etwa 35 minütigen Fußweg zur Haigh's Schokoladenfabrik machte. Dort hatte ich mir einen Platz in einer kostenlosen Führung reserviert, die aber letztendlich nur 20 Minuten gedauert hat. Interessant war aber, dass der Gründer dieser Fabrik das Handwerk auf persönliche Anfrage bei Lindt in der Schweiz vor fast 100 Jahren lernen durfte...und im Anschluss gab es noch reichlich Schokolade und Schokomandeln zur Verkostung und deswegen war ich eigentlich auch nur gekommen :-) Danach ging es wieder den weiten Weg zurück in die Stadt,  wo ich mir den vermutlich letzten Haarschnitt in Australien verpassen ließ, den der Frisör mit „Now you look like a Bastian Schweinsteiger“ kommentierte :-) Und dann kam Tennis...
Auch am Freitag strahlte die Sonne mal wieder vom Himmel, jedoch war es von den Temperaturen mit 28°C wesentlich angenehmer als noch am Vortag mit um die 36°C. Deswegen bin ich mit Toby zum Strand nach Glenelg gefahren, das etwa 25 Minuten mit der Tram von Adelaide entfernt liegt. Nach ein paar Stunden Brutzelei führte der Weg uns wieder zurück zum Hostel, wo ich nun gerade sitze und die letzten Zeilen verfasse. Gleich werde ich mir noch die letzten Nudeln in den Topf schmeißen und hoffentlich die Macht über die Fernbedienung erringen, sodass bis heute Nacht von Court zu Court geschaltet werden kann ;-) Und morgen muss ich Adelaide mit etwas Wehmut verlassen, was ich bei meiner Ankunft hier nie gedacht hätte. Dafür steht auch schon das nächste Highlight auf dem Programm: bis Montag werde ich drei Tage entlang der Great Ocean Road nach Melbourne fahren und dann hoffentlich im Sonnenschein die 12 Apostel zu Gesicht bekommen. Das Wetter wird dort unten in Melbourne nicht mehr ganz so rekordverdächtig sein, eigentlich ungewöhnlich für diese Jahreszeit, aber ein Regenschirm steckt ja auch noch ganz unten im Rucksack drin. Und die Rod Laver Arena am Dienstag kann schließlich auch ihr Dach schließen, sodass Fabi und ich da hoffentlich eine ordentliche Show geliefert bekommen...und wir werden versuchen, uns bemerkbar zu machen, also schaltet ein :-)
Ansonsten gibt es mich in nur noch drei Wochen auch schon wieder live und in Farbe in Deutschland!

Bis dahin sonnige Grüße aus Adelaide

Roman

Samstag, 15. Januar 2011

Perth...

...und Umgebung habe ich in der vergangenen Woche zu sehen bekommen. Am Montag habe ich dafür am Abend nach der Sightseeingtour noch den Kings Park besucht, um mir von dort Perth im Sonnenuntergang anzuschauen. Es war einfach wunderschön und ich hatte genug Zeit, um noch ein Buch zu Ende zu lesen und darüber nachzudenken, wie viel Schönes ich im vergangenen halben Jahr erlebt und wie gut ich es eigentlich habe, dass ich gerade Anfang Januar im Sommer auf der anderen Seite der Welt in einer Stadt am indischen Ozean Urlaub machen kann.
Am Dienstag haben Maren und ich dann morgens unseren Mietwagen abgeholt, unser Gepäck im Hostel abgeholt, noch ein wenig Proviant eingekauft und dann begann unsere Fahrt nach Süden. Zunächst ging es entlang des Freeways Nummer 2 nach Rockingham, einem kleinen Ort, in dessen Sichtweite Penguin Island liegt. Diese ist entweder mit der Fähre erreichbar oder zu Fuß durchs Meer, denn eine etwa 800 Meter lange Sandbank verbindet das Festland quasi mit dieser kleinen Insel. Der Weg dorthin war sehr außergewöhnlich und als wir auf der anderen Seite angekommen waren, erzählte man uns, dass vor zwei Wochen zwei Leute auf dem Weg ertrunken seien...allerdings hätten sie sich auch etwas dumm verhalten. Penguin Island hielt dann das, was es versprochen hatte, denn wir konnten einige kleine Pinguine aus nächster Nähe sehen und marschierten einmal um die Insel, was allerdings auch nicht wirklich viel Zeit in Anspruch nahm. Anschließend ging es über die Sandbank zurück zum Festland, wo wir uns nach einer kurzen Pause wieder ins Auto setzten und den Weg nach Margaret River, einem Weinanbaugebiet, antraten. Wir fuhren jedoch einen Umweg, da wir noch einen Zwischenstopp am Cape Naturaliste machen wollten, wo wir auch gerade rechtzeitig zum malerischen Sonnenuntergang eintrafen. Von dort hatten wir eine weitere Stunde Fahrt vor uns und als wir im Ort ankamen, zogen wir wie Maria und Josef um die Hostels, die uns aber alle keine Unterkunft mehr bieten konnten. Letztendlich übernachteten wir nicht ganz weihnachtsgeschichtenmäßig in unserem Mietwagen auf dem Krankenhausparkplatz – macht man schließlich auch nicht alle Tage :-)
Gut schlafen konnte ich nicht wirklich, aber was soll's...wir waren ja da, um etwas von der Umgebung zu sehen. Deswegen fuhren wir nach dem Frühstück wieder etwas Richtung Norden, machten einen Stopp an einem Weingut und einen weiteren in Busselton, das den mit fast zwei Kilometern längsten Pier der südlichen Hemisphäre beheimatet. Dieser war allerdings wegen Restaurierungsarbeiten gesperrt und so setzten wir kurze Zeit später unsere Reise fort, die uns zunächst wieder nach Margaret River führte, wo wir sowohl eine Schokoladen- als auch eine Käsefabrik besichtigten, in denen wir uns durch die verschiedenen Produkte durchprobieren konnten. Von dort peilten wir als nächstes Augusta an, machten aber noch eine Mittagspause am Strand in der Hamilton Bay. Danach fuhren wir dann durch Augusta weiter Richtung Ozean zum südwestlichsten Punkt der australischen Landmasse, dem sogenannten Cape Leeuwin. Dort wollte man allerdings 5 AUD von uns, nur um vom Parkplatz noch ein paar Meter weiter zum schönen Leuchtturm zu gehen, was wir jedoch ablehnten und stattdessen lieber noch ein paar Fotos vom Lookout schossen. Im Anschluss machten wir uns dann auf den Weg gen Osten nach Pemberton, etwa zwei Fahrtstunden entfernt, wo wir im örtlichen Backpackers noch ein ziemlich gutes Zimmer bekommen haben, in dem ich wenigstens mal ein paar mehr Stunden zur Ruhe kommen konnte.
Für den nächsten Morgen hatten wir uns eine kleine oder eher große Herausforderung ausgesucht. Dafür fuhren wir zum örtlichen National Park, der den mehr oder weniger bekannten Gloucester Tree als Attraktion führt. Dieser Baum der Karri Tree Familie ist 61m hoch und deswegen wurde er früher auch dafür genutzt, Waldbrände in der Umgebung frühzeitig zu erspähen. Dafür muss man aber natürlich erst einmal hinaufkommen und dafür haben die Ranger vor Jahrzehnten Metallstangen in den Stamm getrieben, auf denen man wie auf einer Leiter bis zur Plattform in windiger Höhe hinaufklettern kann. Viele Besucher waren nicht dort, aber wir haben es gewagt und es hat sich auf jeden Fall gelohnt, zumal man natürlich von oben eine super Aussicht hatte. Von dort ging es weiter zum Shannon National Park, in dem es außer hohen Bäumen nichts anderes zu sehen gab, weswegen wir auch schnell weiter ins Valley of the Giants fuhren. Dort machten wir einen Tree Top Walk, auf dem man in etwa 40m Höhe zwischen den Baumwipfeln spaziert...es war - sagen wir mal - ganz nett, aber den Eintritt nicht wert. Als nächstes steuerten wir den Greens Pool, einen Strandabschnitt mit türkisblauem Wasser, an, um dort Mittagspause zu machen und für die anstehende Rückfahrt auszuruhen, die uns bevorstand. Dafür tankten wir noch im australischen Denmark und dann ging es die 400km zurück nach Perth bzw. Fremantle, wo ich mein Hostel für die Nacht hatte. Dort musste ich mich dann von Maren verabschieden, mit der ich eine tolle Woche an der Westküste hatte, da sie wieder zu ihrem Stammhostel nach Perth weiterfuhr.
Nach einer unruhigen Nacht, da mein Zimmer direkt an den Partyhinterhof grenzte, bin ich früh aufgestanden und habe einen Schnelldurchlauf durch Fremantle, einer kleinen alten Hafenstadt, die dieses Jahr auch Austragungsort der Segel-Weltmeisterschaften sein wird, gemacht, anschließend gepackt, ausgecheckt und zum Bahnhof marschiert, von wo ich die Reise zum Flughafen antrat. In der Bahn kam ich mit zwei Holländern ins Gespräch, die auch zum Flughafen mussten, der fast 90 Minuten von Fremantle entfernt liegt, aber ich war ja zum Glück rechtzeitig losgefahren. Am Flughafen klappte dann alles reibungslos, der Flug war auch ok, aber ab dem Landeanflug taten meine Ohren so weh, da ich seit dem Indian Pacific auch ziemlich erkältet bin. Der Weg zum Hostel in Adelaide war auch relativ unkompliziert und nach einer guten Mütze Schlaf kann ich wenigstens auch wieder etwas mehr hören als gestern Abend noch.
Gleich werde ich vielleicht noch auf das Schützenfest gehen, da es rund um Adelaide eine ziemlich große deutsche Gemeinde gibt, morgen findet das Auftaktrennen zur Tour Down Under statt, wo ich hoffe, noch ein Foto mit Lance Armstrong erhaschen zu können, und am Montag werde ich bei der deutschen Gemeinde mal zum Tischtennistraining gehen :-)

Weniger als vier Wochen noch...ich freue mich schon!

Roman

Montag, 10. Januar 2011

The Indian Pacific...

...war eine der besten Ideen, die ich für diese Reise hatte :-) Vor der Abfahrt am Mittwoch musste ich nur noch mein Gepäck bei einem sehr gehetzten und unfreundlichen Mann von der australischen Bahn einchecken, danach habe ich mir noch ein schönes Stunner-Menü (Burger, Pommes, Getränk und Eis für nur 4€ - sollte man bei uns vielleicht auch mal einführen) beim australischen Burger King, der übrigens nur hier aus Patentgründen Hungry Jacks heißt, geholt, mit einer Engländerin unterhalten, die bis Adelaide in der Premiumklasse reisen würde, und dann habe ich mir auch schon meinen Platz in der Holzklasse gesucht. Diese bot zwar schon einiges an Beinfreiheit und ziemlich weit zurücklehnbare Sitze, die aber bei weitem nicht mit einem Bett mithalten können. Pünktlich um 14:55 Uhr verließ ich dann Sydney, diese wunderbare Stadt. Den Platz neben mir besetzte ein sympathischer Schweizer, mit dem ich mich aber auf Englisch unterhalten habe, da er aus dem französischen Teil der Schweiz kommt. Direkt zu Beginn der Fahrt wurde angesagt, dass man sich für 25 AUD auch ein Ticket für die Lounge kaufen könnte, was ich auch gemacht habe, da darin Kaffee und Obst, gemütliche Ohrensessel und Steckdosen beinhaltet waren, sodass ich auch meinen Laptop mit Musik und Filmen benutzen konnte. Bis zu den Randbezirken Sydney's – inklusive der Blue Mountains – kroch der Zug noch etwas dahin, dazu begann es zu regnen, aber ich hatte einen wunderbaren Platz und im Laufe des Tages lernten wir noch Orlagh aus Irland und Lisa aus Holland kennen, mit denen wir abends etliche europäische Kartenspiele ausprobiert haben. Nachts versuchte ich dann in den Schlafsitzen zur Ruhe zu kommen, aber die erste Nacht schlief ich vielleicht gerade einmal zwei Stunden, weil es doch nicht gerade die angenehmste Schlafposition war.

Dafür bekam ich aber wenigstens den wunderschönen Sonnenaufgang über der langsam ins Outback übergehenden Landschaft mit und die vielen Emus und Kängurus, die entlang der Bahnstrecke liefen. Am Morgen stoppten wir dann noch in Broken Hill, einer Kleinstadt, die wegen der örtlichen Silber- und Zinkvorkommen entstanden ist, aber viel gab es dort auch nicht zu sehen. So verstrich die Zeit, die trockene Landschaft rauschte vorbei und gegen 15:30 Uhr erreichten wir auch schon Adelaide, wo wir einen zweistündigen Aufenthalt hatten. Diesen nutzte ich, um bei Peter Pan's kurz ins Internet zu gehen und bei Coles einzkaufen, da das Essen im Zug übertrieben teuer war. Gegen 19 Uhr ging die Fahrt gen Westen dann im gemütlichen Tempo weiter, eine 5-Minuten-Terrine diente mal wieder als Abendessen und einen Film und einige Gesellschaftsspiele später suchte ich wieder meinen super angenehmen Day-Nighter-Seat auf.
Diese Nacht konnte ich zum Glück mal etwas besser schlafen und bin nur einmal zwischendurch aufgewacht, bevor ich um 6:30 Uhr aufgestanden bin, um dem Andrang an der einen Dusche für 40 Leute etwas aus dem Weg zu gehen. Die Landschaft war immer noch erstaunlich stark mit Bäumen, Büschen und Gräsern bewachsen, obwohl darunter auch deutlich die rote Erde Australiens zu erkennen war. Dies änderte sich allerdings bis zu unserem nächsten Halt in Cook, denn dann war um uns nur noch endlose flache Steppe mit Grasbüscheln. Cook an sich ist eine Geisterstadt mit angeblich noch vier Einwohnern, von denen ich zwei im Souvenirshop, der allerdings auch nicht so viel zu tun haben wird, gesehen habe. Der Stop wurde von allen Zuggästen zum Schießen von Fotos genutzt, wobei ich von einer Mitarbeiterin ständig zurückgerufen wurde, weil ich nicht so nah an die Gleise treten sollte, da ja ein Güterzug vorbeikommen könnte...lächerlich. Naja, bin ich halt noch zum Ende des Zuges gegangen, wo niemand aufgepasst hat :-) Nach etwa einer Stunde in Cook setzten wir dann unseren Weg für 9 Stunden bis zum nächsten Halt in Kalgoorlie fort. Die Landschaft veränderte sich kaum, aber an der Grenze zwischen South Australia und Western Australia begegneten wir einer Kamelherde und wenig später auch einigen Adlern, die das Wappen des Indian Pacific's zieren. Mittags habe ich mich nochmal hingelegt, um die Reise durch die vielen verschiedenen Zeitzonen besser zu überstehen, was aber nichts daran änderte, dass sich die Fahrt einfach endlos dahinzog. Am Abend erreichten wir dann Kalgoorlie, eine Goldgräberstadt, in der im 19. Jahrhundert viele Abenteurer ihr Glück suchten und die heute noch die viertgrößte Goldabbaustätte der Welt beheimatet. Diese besichtigten wir auch im Rahmen einer Stadtführung, allerdings war die Sonne schon untergegangen, sodass man die Ausmaße dieser riesigen Mine nur erahnen konnte. Insgesamt hatten wir etwa drei Stunden Aufenthalt, den wir auch noch für eine Pizza bei Domino's nutzten, die mal etwas Abwechslung in den mageren Speiseplan der letzten Tage brachte ;-) Recht bald nach der Abfahrt aus Kalgoorlie versuchte ich auch wieder zu schlafen, was jedoch nicht so einfach war, da ich mir wahrscheinlich von der Klimaanlage im Zug einen ordentlichen Schnupfen zugezogen habe und das Nasenspray war ärgerlicherweise nur im eingecheckten Gepäck irgendwo im Gepäckwagen des Zuges.
Ein herrlicher Sonnenaufgang weckte mich gegen 5:30 Uhr am letzten Tag der Reise.Dreieinhalb Stunden waren wir noch von Perth entfernt und man merkte schon die ersten Anzeichen der nahenden Zivilisation anhand von Viehzäunen und einzelnen Farmen. Außerdem wurde es wieder etwas grüner draußen, Wälder säumten unsere Route, die letzten Kamele und Kängurus zogen an uns vorbei, der Quarantänemeister kam vorbei, um Western Australia vor Krankheiten zu schützen, und langsam musste ich mich dem Gedanken abfinden, dass sich die unvergessliche Erfahrung Indian Pacific, die ich jedem Australientouristen nur empfehlen kann, dem Ende neigte. Um kurz nach 9 Uhr erreichten wir dann den Bahnhof im Osten von Perth, von dem ich bis zum Hauptbahnhof weitergefahren bin, an dem mich Maren, die ich an der USC kennengelernt hatte, abholte und zu dem Hostel brachte, in dem sie zur Zeit als Nachtwächterin arbeitet. Dieses machte bisher auch einen super Eindruck, sehr viele Deutsche Gäste sind dort, und abends wurde noch ein Fußballspiel gegen ein anderes Hostel im benachbarten Park ausgetragen, das wir mit 5:2 gewannen...fünf Tore Frackenpohl :-) Dieser Sieg wurde später dann noch in zwei Clubs in der Nähe bis tief in die Nacht gefeiert und dementsprechend spät bin ich gestern erst wieder aufgestanden. Draußen hatten wir etwa 35°C, was einen nicht unbedingt dazu animierte, auf Sightseeing Tour zu gehen, was ich deswegen auch nicht gemacht habe. Am Abend sind wir aber noch mit den Leuten aus dem Hostel essen gegangen...und das war es dann für den Sonntag auch schon wieder gewesen.
Heute morgen bin ich mit Maren erst zu Peter Pan und dann zu einer Autovermietung gegangen, weil wir ab morgen bis Donnerstag noch eine kleine Tour durch den Südwesten von Western Australia machen wollen. Anschließend habe ich mir dann auf eigene Faust die Stadt angeguckt und im Moment sitze ich in der State Library of Western Australia, da dort das Internet etwas besser als in unserem Hostel funktioniert, was noch lange nicht heißt, dass es hier gut ist ;-)

Euch einen guten Start in die Woche und bis in nur noch einem Monat!

Roman