...ist die Sporthauptstadt Australiens und hat mir allein deshalb natürlich schon gefallen. Aber auch sonst habe ich in der vergangenen Woche wieder einiges erlebt, beginnend mit den Feierlichkeiten für den Australia Day am Mittwoch, den 26. Januar, an dem James Cook's Ankunft in Australien im Jahre 1788 gefeiert wird (die Aborigines bezeichnen diesen Tag übrigens weniger positiv als Invasion Day). Deswegen war ab dem frühen Morgen überall in der Stadt etwas los und wir traten den Feierlichkeiten gegen 10:30 Uhr an der Town Hall bei, wo die Stadtväter ihre Reden hielten, die Flagge gehisst und dabei die Nationalhymne mit allen Strophen gesungen wurde. Im Anschluss gab es die sogenannte People's Parade, bei der verschiedene
Bevölkerungsgruppen von Melbourne (also z.B. Griechen, Thailänder, Libanesen usw.) wie bei einem Karnevalszug angeführt von den unterschiedlichen australischen Militärgruppen zum Kings Domain Park marschierten (leider aber ohne Kamelle). Dort gab es dann etliche Stände von Vereinen, die Feuerwehr war da, unzählige Oldtimer wurden ausgestellt, aber so spannend war es dann doch wieder nicht für uns, weswegen wir bald den Rückweg zum Hostel antraten. Von dort habe ich mich dann auf die Suche nach einem Supermarkt gemacht, habe jedoch eine falsche Wegbeschreibung bekommen und bin deswegen lange in die falsche Richtung gegangen, wobei ich dadurch wenigstens noch etwas von der Flugshow über Melbourne mitbekommen habe und gesehen habe, wie die meisten Australier ihren Nationalfeiertag begehen: nämlich mit BBQ im Park, viel Alkohol aus ihren blauen Kühlboxen und dazwischen wurde immer wieder Cricket oder Aussie Football gespielt. Irgendwann habe ich dann die Tram in die andere Richtung genommen und Coles endlich gefunden, womit das verspätete
Mittagessen gerettet war. Am Abend sind wir dann wieder zum Federation Square in der Innnenstadt gefahren, wo wir ein eher langweiliges Feuerwerk zu sehen bekamen, aber immerhin rundete es den Australia Day 2011 für uns ab.Nach dem schon üblichen Pancake-Frühstück haben wir uns in den kostenlosen Touristen-Shuttelbus gesetzt, der in 90 Minuten ziemlich langsam kreuz und quer durch Melbourne fährt und dabei über die Lautsprecher einige wenige Informationen über die passierten Gebäude wiedergibt. Am riesigen Queen Victoria Market sind wir dann aber ausgestiegen, um uns die unglaubliche Auswahl an Produkten aus nächster Nähe anzugucken. Dort habe ich mich dann aber auch von Fabi und Bina getrennt und bin mit der Tram zur Harbour Town gefahren, in der es ein größeres Einkaufszentrum und ein Wintertrainingszentrum des
australischen olympischen Komitees gibt...ich habe meinen Augen auch kaum glauben können, aber dort haben sie tatsächlich Eishockey gespielt :-) Von dort bin ich dann entlang des Hafens zum Etihad Stadium gelaufen, in das ich aber nur einen kleinen Blick werfen konnte, und als nächstes peilte ich das Police Museum of Victoria an, das im World Trade Center von Melbourne untergebracht ist. Dieses war allerdings nicht so groß, sodass ich auch noch die empfehlenswerte Ausstellung im Immigration Museum mitnehmen konnte. Da dieses um 17 Uhr schloss, bin ich dann noch zum Federation Square gepilgert und habe mir dort mit tausenden anderen Leuten das zweite
Frauen-Halbfinale auf der Großbildleinwand unter der australischen Sonne angeschaut...herrlich. Danach machte ich mich aber wieder auf den Weg zum Hostel und zufälligerweise standen meine beiden Kollegen aus Remagen genau in derselben Tram ;-) Nach dem Abendessen wurde dann nur noch Federer's Niederlage geschaut und dann war auch schon wieder Schicht im Schacht.Am Freitag habe ich eine erste Streckenbegehung im Albert Park gemacht, in dem Ende März das erste Formel 1 Renner der Saison 2011 stattfinden wird und ich kann nur sagen, dass die Organisatoren noch viel Arbeit vor sich haben. Die Streckenführung ist zwar grob zu erkennen, aber ansonsten erinnert dort noch nicht viel an ein Rennspektakel. Es gibt z.B. nur eine festinstallierte Tribüne bisher, die anderen werden anscheinend nur temporär aufgebaut, überall sind Verkehrsinseln und Parkscheinautomaten auf der Strecke, nur an wenigen Passagen gibt es schönen neuen Asphalt, auf dem auch Linien zu erkennen sind, die Boxengasse wird gerade neu asphaltiert und ich könnte ewig so weitermachen. Vor meinem Abflug werde ich mir das Ganze noch einmal angucken und gegebenenfalls die FIA informieren, dass die Aussies es mal wieder etwas zu gemächlich angehen lassen ;-) Von dort habe ich dann die Tram in Richtung Stadtzentrum
genommen und den Shrine of Remembrance, das Observatorium und den botanischen Garten besichtigt. Dann war es wieder Zeit für eine lunch break im Hostel und von dort sind Fabi und ich zum Melbourne Cricket Ground gefahren, in dem wir uns zunächst das Australian Sport Museum und danach das Twenty-Twenty Cricket Match zwischen Victoria und South Australia angeschaut haben, das nicht wirklich spannend, aber mal wieder eine interessante Erfahrung war. Im Laufe des Spiels haben wir wenigstens auch die meisten Regeln, Strategien und die Zahlen auf der Anzeigetafel verstanden und
dementsprechend war das Eintrittsgeld gut investiert. Leider war der MCG nur zu ungefähr einem Achtel gefüllt – mit 13600 Zuschauern – wenn das Stadion mit 100000 Leuten beim AFL Grand Final ausverkauft ist, muss dort eine unfassbare Stimmung herrschen und später wurde es auch noch ganz schön frisch im Stadion, weswegen sich die Spieler auf dem Feld ganz gerne in der Nähe der Pyrotechnik aufhielten :-)Am Samstagvormittag wärmte dann aber wieder die australische Sommersonne und ich bin mit der Tram zum Federation Square gefahren, um mir dort die Ausstellung im Australian Center of the Moving Image anzuschauen, in der die Entwicklung von den ersten bewegten Bildern bis zu den neuen Medien und Videospielen sehr interessant präsentiert wurde.
Anschließend habe ich noch einen kurzen Blick in die St. Paul's Cathedral geworfen, bin von dort zum chinesischen Viertel gelaufen, danach durchs griechische Viertel zurück zur Swanston Street, habe mich mit zwei Sushi-Rollen in die Flagstaff Gardens gesetzt und anschließend noch einen größeren Souvenirshop besucht, der aber auch nicht das im Sortiment hatte, wonach ich auf der Suche war. Nach der Ankunft im Hostel habe ich endlich nochmal meine Laufschuhe geschnürt und bin eine Runde durch den Albert Park gelaufen, danach wurde gekocht und das Frauen-Finale geguckt und das war dann Tag 199 seit meinem Abflug am 15. Juli 2010.
Am 200sten Jubiläumstag holte die Sonne mal alles aus sich heraus, was sie zu bieten hatte: 40°C zeigten die Thermometer und deswegen habe ich mich nach dem Frühstück mal ganz schnell zum Strand in St. Kilda begeben, wo zum Glück eine leichte Brise wehte und das Wasser sehr angenehm war. Nach einigen Stunden wurde es mir dann aber doch zu heiß und deswegen bin ich nach einem kurzen Zwischenstopp im Hostel ins wohl temperierte Melbourne Museum gefahren, das mit meiner Australian Student ID zum Glück kostenlos war. Als es um 17 Uhr schloss, habe ich mich wieder auf den Rückweg begeben und wenig später begann ja auch schon das Herren-Finale, von dem ich zunächst den ersten Satz im Hostel gesehen, danach mit Mama und Gerrit geskypt und wenn Andy einen Satz gewonnen hätte, hätte ich mich auch noch zum Federation Square begeben, um mit Tausenden anderen Tennisfans zusammen den Höhepunkt eines spannenden Turniers zu verfolgen, aber leider war das Spiel ja etwas schneller vorbei als erwartet.
Den Montag hatte ich als Shoppingtag eingeplant, da sich in und um Melbourne herum drei Outletcenter befinden und ich nach Monaten in den gleichen T-Shirts nochmal etwas Abwechslung an den Körper bringen wollte. Außerdem fliege ich ja bald nach Hause und bei Emirates darf ich zum Glück mehr Gepäck mitnehmen als bei den Inlandsflügen hier, aber obwohl ich den ganzen Tag unterwegs war, wird mein Rucksack nur unwesentlich schwerer als bisher sein. Ich hatte wirklich etwas mehr von den Outlets erwartet und deswegen bin ich auch noch durch das Einkaufsviertel im CBD gelaufen, aber dort wird man einfach nur von horrenden Preisen geschockt. Naja, dafür war es wieder warm und ich habe einige weitere Ecken von Melbourne gesehen.Heute vormittag habe ich mich mit Annika von der USC am Strand in St. Kilda getroffen, wo ein dermaßen warmer und starker Wind wehte, dass kaum jemand am Strand an sich, sondern auf den etwas weiter entfernten Wiesen lag. Danach habe ich noch etwas eingekauft, war noch einmal in der Stadt, habe meine Transfers von Melbourne zum Flughafen Avalon und vom Flughafen in Alice Springs zum Hostel organisiert und mit Matt von der USC telefoniert, weil man mir eine böse Email geschickt hatte, dass ich meinen Koffer nicht in den Wohnzimmern von anderen Leuten in UniCentral lagern dürfte...aber auch das ist jetzt geklärt :-)
Morgen werde ich dann dieses Hostel für eine Woche verlassen und bis 3:55 Uhr am Donnerstagmorgen die Zeit rumschlagen, weil dann erst der erste Shuttlebus nach Avalon fährt. Von dort werde ich um 7:30 Uhr nach Alice Springs fliegen und damit naht das letzte große Abenteuer in Australien inklusive einer dreitägigen Tour durch die Wüste mit Nächten unter freiem Sternenhimmel...und etlichen Kleintieren um uns herum, die uns problemlos im Schlaf umbringen könnten...ich hoffe mal, dass sie an den Tagen was anderes vorhaben ;-) Außerdem ist etwas ungewöhnliches Wetter für die Wüste angesagt...es soll stürmen und regnen. Hoffentlich fällt die Tour nicht ins Wasser, denn den Uluru wollte ich schon noch gesehen haben bevor ich wieder nach Hause fliege...und das in ganz schön absehbarer Zeit. Mittlerweile braucht man sogar nur noch zwei Hände zum Runterzählen: neun Tage habe ich noch in Australien und in zehn Tagen bin ich wieder zuhause. Die Vorfreude wird immer größer, obwohl ich auch etwas aufgeregt bin, ob ich mich denn problemlos wieder an das Leben in Deutschland gewöhnen werde. Jetzt heißt es aber erst einmal „Red Centre, ich komme!“ und nächste Woche kann ich mich dann ernsthaft mit Abschiedsschmerz auseinandersetzen :-)
Liebe Grüße aus Melbourne!
Euer Roman







